Das Lernen - Wie sag ich' s meinem Hund?
Zuerst müssen wir natürlich einmal wissen, auf welche Art und mit welchen Hilfsmitteln wir unserem Hund etwas beibringen können. Unser Hund wird niemals in der Lage sein, unsere Sprache zu erlernen. Natürlich kennt er nach kurzer Zeit seinen Namen und viele Dinge, die ihm wichtig sind, versteht er genau. Forscher haben anhand von Tests herausgefunden, daß ein Hund in etwa so viele Wörter verstehen kann wie ein eineinhalb bis zweijähriges Kind. Er ist also wesentlich intelligenter als ihm die meisten Menschen zugestehen wollen. Dennoch bleibt immer eine große Kluft zwischen Mensch und Hund bestehen.
Der Hund versteht uns in erster Linie auf zwei Arten: Stimme und Körpersprache.
Die meisten Wörter "versteht" unser Hund nur anhand unseres Tonfalls. Sie können es selbst ausprobieren: Sie setzen sich vor Ihren Bello und erzählen ihm mit leiser, freundlicher Stimme, daß er furchtbar dumm, böse und häßlich sei. Er wird anfangen zu wedeln und sich entsetzlich freuen - der Tonfall in Ihrer Stimme hat ihm vermittelt, daß Sie zufrieden mit ihm sind und ihm etwas Gutes sagen. Anders herum geht es natürlich auch: Mit lauter, harter Stimme sagen Sie "toller Hund, was bist du doch ein feiner Kerl...." und er wird die Ohren anlegen, den Schwanz einziehen und ganz betroffen sein - aus unserem Tonfall hat er geschlossen, daß wir böse auf ihn sind.
Es ist also klar ersichtlich, daß wir alleine mit Tonfall und Stimme loben und tadeln können. Die Wortwahl spielt dabei keine Rolle. Ob Sie ihn zärtlich "kleines Dööfchen", "alter Mistköter" o.ä. nennen, ist ihm egal. Für ihn gilt ausschließlich: "der Ton macht die Musik".
Dies betrifft besonders das Lob: Erstes Gebot für uns ist: immer mit heller, freudiger Stimme loben. Das Lob muß deutlich zu erkennen sein. Ein genuscheltes "braver Hund" können Sie sich ersparen. Je jünger ein Hund ist, desto überschwenglicher muß gelobt werden damit der Anreiz entsteht wieder zu gehorchen, um wieder Lob zu bekommen. Denn alles was unser Hund benötigt, um zufrieden zu sein, ist die Anerkennung seines Rudelchefs.
Ein Fehler, der häufig gemacht wird, ist, mit monotoner Stimme zu sprechen. Stellen Sie sich vor, irgend jemand versucht Ihnen etwas zu erklären. Er leiert seine Erklärung runter ohne die Stimme zu heben oder zu senken. Nach kurzer Zeit wird Ihre Aufmerksamkeit nachlassen. Sie bekommen den Eindruck, daß Ihr Gegenüber sich entsetzlich langweilt und nur eine lästige Pflicht erfüllt. Sie werden niemals das gleiche Interesse an seiner Erklärung haben können als wenn derselbe Wortlaut in einem anschaulichen Ton mit verschiedenen Nuancen gesprochen würde. Genauso ergeht es Ihrem Hund. Er erkennt aus unserem Tonfall ganz genau ob uns etwas wichtig ist oder nicht. Probieren Sie es aus: Schon beim kleinsten Welpen sehen Sie den Unterschied wenn Sie seinen Namen hell und begeistert rufen oder wenn er nur so daher gesagt wird.
Ebenso die Kommandos: Ein begeistertes "sitz" und Lob mit freudiger Stimme wird viel schneller erlernt als ein nur so dahin gesagtes "sitz" und anschließend "brav" im selben Tonfall.
Sie sollten sich immer bemühen, so leise wie möglich mit Ihrem Hund zu sprechen. Ich meine natürlich nicht, daß Sie flüsternd durch den Wald laufen, aber doch so, daß neben Ihnen jemand stehen könnte, ohne durch Ihre Lautstärke zu erschrecken.
Leider wird immer noch der Fehler gemacht, daß man Lautstärke mit Autorität verwechselt. Dem ist aber nicht so! Denken Sie immer daran, daß Ihr Hund Geräusche aus im Schnitt acht Mal so großer Entfernung hören kann wie Sie. Und da denken Sie, daß man ein Kommando leichter durchsetzten kann, wenn man schreit? Wenn ein Kommando in normaler Lautstärke nicht befolgt wird, dann liegt das nicht daran, daß Ihr Bello es nicht gehört hätte - nein, er will ganz einfach nicht und ignoriert Sie. Die Gründe für Ungehorsam sind niemals in den Ohren zu suchen sondern im Erziehungsbereich (mit Ausnahme von tauben Hunden).
Jetzt werden mir mit Sicherheit viele Leute widersprechen: "Wenn mein Lumpi nicht gehorcht und ich schreie ihn an, dann hört er direkt". Stimmt schon, aber der Grund liegt nicht in der Lautstärke. Beobachten Sie sich einmal beim Schreien: erstens ist Ihr Tonfall ganz anders. Jetzt steckt Wut und Zorn darin und Bello schließt daraus, daß es Zeit wird zu gehorchen bevor das Herrchen / Frauchen explodiert. Das wichtigste am ganzen Schreien ist jedoch eine veränderte Körperhaltung: Wenn Sie Ihren Hund anschreien, dann beugen Sie sich in der Regel drohend über ihn und fixieren ihn dabei. Das geht ganz unbewußt vor sich (vermutlich ein Erbe unserer Stammväter) - wir nehmen eine klassische Drohhaltung ein.
Was bedeutet das jetzt für uns? Wir müssen es schaffen, genau diese Verärgerung oder Wut mit unserem Tonfall auszudrücken, jedoch ohne zu schreien. Drohende Stimme zusammen mit drohender Körperhaltung bringt Ihnen den gleichen Erfolg wie Geschrei, nur ohne daß es im Umkreis von Kilometern heißt: "Aha, Liebchens erzieht wieder mal ihren Fiffi". Allerdings sollte man sich das Androhen des Hundes für den absoluten Notfall aufheben - die beste Art, einen Hund zu strafen ist das Ausbleiben vom Lob.