Wir dürfen dem Hund nur absolut klare, eindeutige Kommandos geben. Das bedeutet, daß wir besonders in der Lernphase des Hundes für eine bestimmte Handlung auch immer nur das selbe Kommando benutzen dürfen.
Beispiel: Wir wollen einem Ausländer sagen, daß er sich hinsetzen soll. Unser Ausdruck "setzen" zusammen mit Sichtzeichen "auf den Stuhl klopfen" macht es dem Fremden leicht, die Bedeutung des Wortes "setzen" schnell zu erkennen. Notfalls ziehen wir ihn sogar an der Hand nach unten bis er sitzt. Niemand kommt auf die Idee, diesem Menschen erklären zu wollen, was "Platz nehmen" oder "sich niederlassen", "hocken" usw. ist, bevor er nicht weiß was "setzen" bedeutet. Anscheinend trauen jedoch zahlreiche Hundebesitzer ihrem Tier mehr Intelligenz als einem Menschen zu.
Das Kommando muß bestimmt und verbindlich ausgesprochen werden und nicht als Bitte "setz Dich jetzt bitte hin". Wichtig ist dabei das Wissen, daß der Hund nicht unsere genauen Worte versteht sondern auf unseren Tonfall achtet. Das bedeutet, daß auch dann, wenn wir das Wort "bitte" in unserem Kommando weglassen der Hund sehr wohl unterscheidet, ob wir jetzt "befehlen" oder doch nur bitten. Also darauf achten, daß wir mit unserer Stimmlage und Betonung auch tatsächlich "befehlen". Besonders Familien müssen darauf achten, daß alle Mitglieder die selben Kommandos benutzen und sie auch mit gleicher Konsequenz durchsetzen.
Beispiel:
Papa: "Sitz!!!" (Beim Papa ist strenger Gehorsam gefordert und wird auch durchgesetzt.)
Mama: "Mach mal ein feines Sitz mein Guter" (Die Mama fordert freundlich auf)
Sohn: "Jetzt setz' dich endlich hin!!!" (Der Sohn ist genervt)
Tochter: "Komm und setz dich" (Die Tochter bittet den Hund)
Wie soll das Tier das verstehen? Selbst wenn der Hund während des Trainings gelernt hat, was "sitz" ist, kann er mit dem ganzen Satz der Mama oder der freundlichen Aufforderung der Tochter noch lange nichts anfangen. Dazu kommt noch, daß Mutter und Kinder zwar ein Kommando geben, aber höchstwahrscheinlich keiner von ihnen auf der Ausführung besteht - bleibt der Hund stehen oder geht weg ist es auch in Ordnung.
Unsere Kommandos müssen klar und deutlich sein und auf der Einhaltung müssen wir konsequent bestehen. Das bedeutet, daß beim Kommando "sitz" nicht geduldet werden darf, daß sich der Hund nach ein paar Sekunden legt oder aufsteht. Wenn Sie Kommando "sitz" geben, lassen den Hund aber auch etwas anderes tun, lernt er ganz schnell, daß "sitz" irgend etwas viel Schöneres sein kann. Ohne konsequentem Bestehen auf der Ausführung der Kommandos können wir niemals einen zuverlässigen Gehorsam erreichen.
Das Kommando muß am Ende der Übung wieder aufgehoben werden, d. h. nach Kommando "sitz" darf der Hund erst wieder aufstehen, wenn wir es ihm mit "auf" o.ä. erlauben oder ein neues Kommando wie z.B. "fuß" geben. Beachten wir dies nicht, dann werden wir niemals ein längeres "sitz - bleib" oder "platz - bleib" erreichen können, denn der Hund hat gelernt, daß er ein Kommando zwar befolgen muß, aber nur so lange wie er will.
Wir dürfen nie Kommandos geben, wenn wir auf deren Ausführung nicht bestehen können, d. h. wenn der Hund jagen geht oder weiter weg ganz vertieft spielt und wir wissen, daß er auf unser "hier" sowieso nicht reagiert, dann müssen wir es ganz unterlassen, ihn zu rufen, es sei denn, wir können durch einen Sprint zum Hund unser Kommando durchsetzen.
Hunde brauchen genaue Grenzen die sie niemals!!! überschreiten dürfen. Dabei handelt es sich nicht um Schikane oder Geltungsbewußtsein des Herrchens/Frauchens, sondern Hunde brauchen Grenzen, um sich sicher zu fühlen. Grenzen und Rituale sagen dem Hund, daß jemand da ist, der aufpaßt, auch auf ihn persönlich, und daß jemand da ist, der die Verantwortung trägt. Und es ist für unseren Hund absolut notwendig, daß er uns durch unsere Konsequenz als Chef anerkennen kann und so seinen Platz im Menschenrudel findet.
Zum Schluß noch ein Denkanstoß für alle Eltern: Beim Thema Konsequenz besteht zwischen Kinder- und Hundeerziehung im Prinzip gar kein Unterschied. Wenn Sie Ihr Kind mit der selben Konsequenz loben und tadeln wie Sie es bei Ihren Hund lernen (und hoffentlich tun), werden Sie schnell merken, daß auch das Kind dankbar für seine klaren Grenzen ist und diese viel besser und freudig einhält als vorher
Hunde lauern ständig auf unsere Inkonsequenz, um diese mit totaler Konsequenz auszunutzen.