Dominanz und Alphatier
Begriffsabgrenzung:
Dominanz: Vorherrschaft, dominieren: vorherrschen, überwiegen, beherrschen
In fast allen Hundebüchern wird ein Hund mit großer Dominanz automatisch mit einem Alphatier gleichgesetzt. Diese Aussage müßte dringend umgeändert werden denn sie führt zu vielen Mißverständnissen:
Ein Hund ist dann als dominant anzusehen, wenn er ein deutliches Bestreben zeigt, in der Rangfolge nach oben zu kommen. Das Streben nach Dominanz ist angeboren; wie dominant sich ein Hund später jedoch verhält hängt von Lernerfahrung, Erziehung und Umwelteinflüssen ab. Je dominanter ein Hund ist, desto mehr testet er andere Hunde und/oder seinen Besitzer aus und lauert ständig auf Unsicherheit, Inkonsequenz und Schwäche. Die Arbeit und der tägliche Umgang mit solchen Tieren muß auf Konsequenz und eiserner Disziplin beruhen.
Es ist ganz wichtig, daß man einen klaren Unterschied in der Dominanz zwischen Hunden untereinander und Dominanz in der Menschen - Hundebeziehung macht. Sehr häufig verhalten sich Hunde, die sich innerartlich sehr dominant zeigen, den Menschen gegenüber wenig oder gar nicht dominant. Und es gibt Hunde, die Menschen gegenüber sehr dominant auftreten, im Umgang mit anderen Hunden jedoch teilweise sogar unterwürfig sind - durch Lernerfahrung, Erziehung und Umwelteinflüsse wird Dominanz entweder unterdrückt oder erhöht. Dennoch wird ein dominanter Hund noch lange nicht Alpha - den meisten fehlt eine ganz wichtige Voraussetzung, nämlich die Souveränität.
Souveränität: Unabhängigkeit, Überlegenheit souverän: darüber befindlich, überlegen, einer besonderen Lage oder Aufgabe jederzeit gewachsen sein
Auch Souveränität ist angeboren. Wie bei der Dominanz kann ein Besitzer die Souveränität seines Hundes durch optimale Prägung und Sozialisierung fördern. Dennoch sind nur sehr wenige Hunde wirklich souverän.
Ein souveräner Hund hat es nicht nötig, seine Überlegenheit ständig zu zeigen - er strahlt Selbstsicherheit aus und wird von Artgenossen in der Regel sofort ernst genommen. Er schafft deshalb alleine durch seine Anwesenheit Ordnung, Sicherheit und Ruhe. Er vermeidet jeden Streit und versucht Streit auch bei anderen zu verhindern oder zu beenden. Ein souveräner Hund ruht in sich selbst.
Ein sehr dominanter Hund dem Souveränität fehlt wird von seinen Artgenossen nicht geachtet sondern ehr gefürchtet und gemieden. Seine Art zu herrschen entspricht der Tyrannei - er läßt keine Gelegenheit aus, seine Stärke zu demonstrieren. Ein solches Tier wird niemals Alpha werden
Alpha wird nur derjenige, der sich durch Souveränität gepaart mit Dominanz auszeichnet. Seine Dominanz zeigt er nur dann als Aggression, wenn es unbedingt nötig ist. Ansonsten reagiert er so lange es geht mit Ignorieren. Auch wir sollten unsere Dominanz über unseren Hund mit großer Souveränität vereinen um eine optimale Hund - Halter - Beziehung zu erlangen.