Der Mensch als Alpha - die intakte Mensch - Hund - Beziehung
Wenn wir ein intaktes Hunderudel beobachten, können wir feststellen, dass es dort ein Leittier gibt, das von allen anderen Rudelmitgliedern akzeptiert und respektiert wird und dem sie sich gerne und freiwillig unterordnen. Weshalb ordnen sich viele Hunde aber ihren Menschen nicht gerne und freiwillig unter? Weshalb haben viele Menschen massive Probleme mit ihren Hunden? Weshalb werden viele Hunde im Tierheim abgegeben weil sie sich nicht in ihr „Menschenrudel“ einfügen?
Grundsätzlich gilt, dass das Zusammenleben mit unserem Hund nur dann problemlos funktionieren kann, wenn wir die Führungsposition in der Mensch - Hund - Beziehung innehaben.
Um die Führungsposition zu erlangen gibt es genau zwei Möglichkeiten:
Wir zeigen dem Hund unsere körperliche Überlegenheit und bringen ihn durch Schläge, Tritte, mit Stachelhalsband, Elektroschockhalsband usw. unter Kontrolle. Innerhalb kürzester Zeit haben wir einen Hund, der auf’s Wort pariert. Allerdings gehorcht dieser Hund nicht aus Achtung vor seinem Besitzer sondern aus Angst vor Strafe. Er ist kein Kamerad sondern ein Sklave. Über Charakter und Wesen solcher Hundebesitzer will ich mich nicht weiter auslassen - schlimm genug, dass es sie gibt...
Wir bringen unsere „geistige“ Überlegenheit ins Spiel und zeigen unserem Hund im täglichen Leben unsere Führungsqualitäten. Dieser Hund wird uns gehorchen weil er es für richtig hält. Freiwilliger, freudiger, vertrauensvoller Gehorsam ist das, was jeder Hundebesitzer anstreben sollte.
Es stellt sich nun die Frage: Wie erreiche ich einen freudigen, vertrauensvollen Gehorsam? Wie erlange ich die Führungsposition in der Mensch-Hund-Beziehung?
Grundlagenwissen
Alle Verhaltensweisen, die für das Überleben notwendig sind, gehen im Laufe der Zeit ins Erbgut über. Alle angeborenen Verhaltensweisen, die unser Hund aufweist, sind ein Erbe seines Vorfahren, des Wolfes. Diese Verhaltensweisen sind genetisch fest verankert, das heißt, sie sind seit Jahrtausenden im Erbgut der Hunde enthalten und werden von den Elterntieren auf die Jungen vererbt. Das bedeutet aber nicht, dass ein kleiner Welpe sich schon genau so verhält wie ein ausgewachsenes Tier, sondern dass der Grundstock für eine Verhaltensweise da ist, die Ausbildung aber im Laufe seiner Welpenzeit und Jugend erfolgt.
Jedem Tier ist angeboren, alles für das eigene Überleben zu tun und seine Gene an die nächste Generation weitergeben zu wollen. Notwendig dazu ist ausreichend Nahrung, ein intakter Körper, ein Fortpflanzungspartner und ein Territorium in dem die Jungen aufgezogen werden. Diese Voraussetzungen nennt man Ressourcen. Logischerweise werden diese Ressourcen gegen Artgenossen verteidigt. Im Rudel würden ständige Kämpfe um Ressourcen und die damit verbundenen Verletzungen jedoch das Überleben der ganzen Gruppe gefährden. Daher wird der Zugang zu den Ressourcen im Rudel durch eine stabile Rangordnung geregelt.
Jedes Tier hat seinen festen Platz in dieser Rangordnung mit daran gebundenen Rechten und Pflichten. Dieser feste Platz gibt dem Tier Sicherheit und Ruhe. Ein rangniederes Tier verlässt sich völlig auf die Führung seines Leittiers und ordnet sich diesem gerne und freiwillig unter.
Wenn ein Tier einem anderen Tier in einem bestimmten Bereich überlegen ist, bezeichnet man dies als „dominant“. Dominanz ist kein feststehender Wesenszug eines Tieres sondern ergibt sich jeweils aus dem Verhältnis zweier Tiere in einer ganz bestimmten Situation. Dominanz ist also nicht angeboren sondern wird von Welpe an erworben, entsteht demnach aus Lernerfahrung im Umgang mit Artgenossen und Menschen. Nochmals: Es gibt nicht „DEN dominanten Hund“ sondern nur einen Hund, der in bestimmten Situationen dominant ist.
Das dominanteste Tier, also das Tier, das in den meisten Situationen überlegen ist, wird das Alphatier oder kurz „der/die Alpha“ genannt. Das Alphatier hat den größten Zugang zu den lebensnotwendigen Ressourcen was von den Rangniederen auch völlig akzeptiert wird.
Im Rudel gibt es zwei parallel laufende Rangordnungen die sich gegenseitig nicht vermischen - eine unter den Rüden und eine unter den Hündinnen. Das bedeutet, dass es im Rudel zwei Alphatiere gibt, ein männliches und ein weibliches. (Der Einfachkeit halber schreibe ich aber nachfolgend nur noch von „dem Alpha“) Dadurch, dass die Rüden- und Hündinnenrangordnung parallel verläuft gibt es in der freien Natur nur Rangordnungsstreitigkeiten zwischen gleichgeschlechtlichen Tieren.
Für unseren Hund ist es egal, ob sein menschlicher Alpha männlich oder weiblich ist; das Herrchen oder Frauchen muss sich lediglich wie ein richtiger Alpha benehmen.
Der „tierische“ Alpha - Rechte und Pflichten
Betrachten wir ein Wolfsrudel oder ein freilebendes Hunderudel:
Die wichtigsten Pflichten eines Alphas liegen in der Gewährleistung der überlebensnotwendigen Ressourcen. Der Ranghöchste zeichnet sich auch durch die Fähigkeit aus, Streit zu schlichten, Feinde abzuwehren und Aktivitäten zu organisieren, also ganz allgemein dadurch, dass er immer dann, wenn es erforderlich ist, die Initiative ergreift.
Diese Tätigkeiten verlangen nicht unbedingt, dass der Alpha körperlich stärker als seine Rudelgefährten ist, sondern die wichtigste Voraussetzung für die Führungsrolle ist Erfahrung. Deshalb ist Alpha meistens ein älteres Tier obwohl ein jüngeres Rudelmitglied körperlich stärker sein kann. Aber der Jüngere kennt seinen Platz und ist zufrieden damit, denn er hat auf diesem Platz ganz fest umrissene Aufgaben, die ihn ausfüllen.
Wie beim Menschen bringt auch beim Rudeltier eine hohe Stellung gewisse Privilegien mit sich (ein Chef darf einfach mehr als ein Lehrling). Dazu gehört z.B., dass sich nur die Alphatiere vermehren dürfen - die Paarung von rangniederen Rudelmitgliedern wird nach Möglichkeit verhindert. Die Alphas fressen zuerst und suchen sich die besten Futterbrocken aus. Alpha bestimmt den Zeitpunkt des Aufbruchs, die Wanderrichtung, wann geruht und wann gespielt wird. Ihm steht auch der Respekt zu, nicht durch zu große Nähe bedrängt zu werden. Obwohl Alpha alles ständig im Blick hat, hält er immer einen gewissen Abstand zu seinen Untergebenen. Man nennt dies die Individualdistanz.
Das Einfordern seiner Privilegien verleiht ihm eine Art ”Aura”, so dass die Rangniederen eine regelrechte Ehrfurcht vor ihm haben.
So lange der Alpha sowohl seine Pflichten gut erfüllt als auch immer wieder seine Rechte einfordert, akzeptiert jedes Rudelmitglied seinen Alphastatus. Durch diese Akzeptanz hat er ständig die volle Aufmerksamkeit seines ganzen Rudels. (Beobachtungen haben gezeigt, dass das Alphatier von allen anderen am meisten angeschaut wird.)
Alpha legt auf seine Körperhaltung größten Wert, und wer von Ihnen schon einmal gesehen hat, wie ein ranghohes Tier daher stolziert kommen kann, der weiß, was ich meine. Durch Imponieren in bestimmten Situationen sichert er sich die Achtung und Anerkennung seines Rudels immer wieder aufs Neue.
Dadurch, dass der Alpha die ständige Aufmerksamkeit seiner Rudelmitglieder hat, werden von diesen auch alle Anzeichen von Schwäche und Nachlässigkeit direkt registriert. Ist das Leittier z.B. durch Alter oder Krankheit nicht mehr in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen, könnte das den Untergang des ganzen Rudel bedeuten.
Wenn das rangmäßig am nächsten beim Alpha stehende Tier Schwäche seines Chefs entdeckt hat, wird es seine Grenzen immer weiter überschreiten, um besseren Zugang zu den Ressourcen zu erhalten und testet dadurch indirekt mit aus ob der Alpha das Überleben des Rudels immer noch sichern kann.
Deshalb maßregelt der Rudelchef den Rangniederen direkt bei dem kleinsten Verhaltensfehler und erstickt den Versuch, seine Autorität zu untergraben, im Keim. Allerdings bedeutet dieses „Maßregeln“ nicht Aggression oder Gewalt, im Gegenteil ein ranghohes Tier zeichnet sich dadurch aus, dass es nur in Ausnahmefällen aggressiv reagiert. Fehlverhalten wird von einem „echten“ Alpha so weit als möglich durch Ignorieren oder einen fixierenden Blick „gestraft“
Erfolgt jedoch keine Gegenwehr des Alphas, dann ist es normal, dass der Chef wegen „mangelnden Führungsqualitäten“ von dem ”nächstbesseren” Rüden abgelöst wird.
Der „menschliche“ Alpha - Rechte und Pflichten
Dadurch, dass alle genetischen (erblichen) Anlagen des Wolfes auch in unserem Haushund vorhanden sind, ist auch das Dominanzverhalten und das Rangordnungsdenken unseres Hundes sowie das Wissen, dass zum Überleben ein guter Alpha zwingend notwendig ist, genau so vorhanden wie bei seinem Stammvater dem Wolf.
Durch die Zuchtauswahl ist dies zwar von Rasse zu Rasse unterschiedlich stark ausgeprägt, und auch zwischen den einzelnen Tieren innerhalb einer Rasse bestehen Unterschiede, aber generell gilt: Alle Hunde besitzen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Bestreben, Ressourcen für sich zu beanspruchen und brauchen Dominanz und Souveränität des Besitzers, um ihren festen Platz in der Mensch-Hund-Rangordnung zu finden und zu akzeptieren.
Man sollte auch bedenken, dass sich die Wertigkeiten der Ressourcen im Laufe der Domestikation (= Haustierwerdung) verschoben haben. Viele Hunde halten z.B. Futter nicht mehr für eine verteidigungswerte Ressource weil es ständig im Übermaß vorhanden ist, dafür wird aber z.B. ein Quietschetierchen akribisch bewacht und „mit dem Leben“ verteidigt.
Zahlreiche Probleme mit unseren Hunden sind darin begründet, dass ein Hund in der Regel mit frühestens 8 oder 9 Wochen zu uns kommt. In der freien Natur wird ein Welpe in die Rangordnung „hineingeboren“, d.h. er lernt von Anfang an die Stellung der älteren Tiere kennen und respektieren. Für den Hundewelpen beginnt mit dem Tag der Trennung von seiner Mutter und dem Einzug in sein neues Zuhause ein völlig neues Leben. Er kommt in ein „Rudel“ das sich von morgens bis abends nur um ihn kümmert, ihm hinterher läuft wenn es die Welt erkunden will, ihn ständig streichelt, das ihm ständig die besten Leckerbissen anbietet, ihn häufig mit auf den Chefliegeplatz nimmt usw. Allgemein gesprochen: Wir schenken ihm von Anfang an jede Menge Privilegien, die eigentlich uns als Alpha zustehen würden. Kann es uns da wundern, dass das Hundchen mit zunehmendem Alter nicht unbedingt die höchste Meinung von seinen „Rudelmitgliedern“ hat? Nicht ohne Grund gibt es sehr viele Probleme mit dem Hund nach Eintritt in die Geschlechtsreife, einem Zeitpunkt, wo sich in der freien Natur die Rangordnung festigt.
Auch für den Menschen „nützliche“ Angewohnheiten können beim Hund den Eindruck erwecken, dass wir nicht gerade die besten Führungsqualitäten aufzuweisen haben. Dazu gehört z.B. die Angewohnheit, dem Hund sein Futter zu geben, bevor wir selbst essen. Wir tun dies, damit er an unserem Tisch nicht bettelt und nervt. Selbstverständlich genügen ein oder zwei Kleinigkeiten nicht um ihrem Hund zu vermitteln, dass er tatsächlich ohne geeignete Führung ist. Es ist der tägliche Umgang mit Ihrem Hund, der ihm immer wieder aufs Neue zeigt ob Sie ein guter Alpha sind oder nicht.
Um sich ganz sicher zu sein, dass Sie als Rudelchef versagen, wird Ihr Hund beginnen, seine Grenzen langsam aber stetig weiter zu stecken und immer mehr Privilegien für sich vereinnahmen. Je mehr er zu der Überzeugung gelangt, dass es Ihnen an Führungsqualitäten mangelt desto öfters entscheidet er selbst was zu tun ist. Er verweigert Kommandos oder befolgt sie nur murrend, er zieht an der Leine; er kommt nicht mehr wenn Sie ihn rufen, ganz allgemein gesprochen: er gehorcht nicht. Genau wie beim Urvater des Hundes, dem Wolf, wird der Hund dann irgendwann zum Schutz seines Rudels die Führung ganz übernehmen. Allerdings sind die meisten Hunde damit hoffnungslos überfordert und reagieren in bestimmten Situationen völlig über.
Die Aufgabe des Hundebesitzers liegt also in erster Linie darin, all die Dinge zu übernehmen, die im Rudel das Alphatier tut. Und es ist extrem wichtig, dass er nicht nur seine Pflichten wie Futterbeschaffung usw. gewissenhaft erfüllt sondern er muss seinem Rang entsprechend auch die Rechte in Anspruch nehmen, die ihm durch seine Leitposition zustehen. Ansonsten wird kein Hund auf die Dauer die Führungsqualitäten seines Herren anerkennen. Zum Schutz des Rudels wird er dann versuchen, die Führung zu übernehmen und dann natürlich auch die, dem Alpha zustehenden Privilegien für sich einfordern.
Wie schon erwähnt, braucht unser Hund seinen festen Platz im Familienrudel. Er kann nur eine einzige Stellung innehaben - entweder er ordnet sich unter oder er führt an. Deshalb kann kein Hund sich in eine Familie einfügen, wo er während des Tages Mamis Liebling ist und tun und lassen kann, was er will (also Führungsposition genießt) und ab 18.00 Uhr werktags und den ganzen Tag samstags und sonntags - wenn der Ehemann zu Hause ist - hat er sich unterzuordnen. Diese doppelte Stellung (man spricht von einer double - bind - Situation) kann kein Hund auf die Dauer verkraften.
Er wird früher oder später verstört reagieren und je nach Typ entweder mit Unsicherheit und Scheue oder mit Aggression reagieren.
Für Sie gilt: Verhalten Sie sich ab heute genau so, wie es ein wölfisches oder hündisches Alphatier tun würde. Zeigen Sie ihrem Hund mit liebevoller Konsequenz, dass er Sie falsch eingeschätzt hat. Übernehmen Sie ab sofort die Führung mit Souveränität wie es ein „tierischer Alpha“ tun würde.
Nachfolgend zähle ich Ihnen einige Punkte auf, deren Einhaltung Sie in den Augen Ihres Hundes rangmäßig aufwerten. Für Menschen mögen das Kleinigkeiten sein für Hunde sind es sehr wichtige Kennzeichen von Alphaverhalten.
Denken Sie aber bitte daran, dass ein wahrer Alpha seine Privilegien nur dann einfordert wenn sie momentan wichtig für ihn sind.
In Zeiten instabiler Rangordnungsverhältnisse wird er seine Privilegien viel stärker einfordern als in einer stabilen Rangordnung.
Ich empfehle all denjenigen, die zur Zeit Probleme mit ihrem Hund haben, also in einer instabilen Rangordnung leben, die aufgelisteten Punkte während eines Zeitraums von 3 6 Wochen 100%ig einzuhalten. Sie sind ein Alpha mit Imponierverhalten. Wie lange sie ein „imponierender“ Alpha sind, muss von Fall zu Fall und Hund zu Hund entschieden werden.
Während dieser Zeit kann Ihr Hund erkennen, dass Sie wohl doch einen höheren Status innehaben als er vorher dachte. Sie werden an vermehrten Blickkontakt bemerken, dass Ihr Hund anfängt, sie ernst zu nehmen. Zusammen mit zahlreichen Übungen wird es Ihnen gelingen, den Hund nach und nach völlig gewaltfrei ans Ende der Rangordnung zurückzustufen.
Auch denjenigen, die ihren Hund als „Second-Hand-Hund“ übernommen haben, sollten anfangs auf das Einfordern ihrer Privilegien eisern bestehen damit der Hund sich von Anfang an am Ende der Rangordnung einfügt.
Hat Ihr Hund seinen Platz im Mensch-Hund-Rudel bereits gefunden dann können Sie getrost auf diverse Privilegien verzichten. Sie merken dann ob Ihr Hund diese Zugeständnisse als Schwäche ansieht und versucht, seine Grenzen weiter zu stecken. In diesem Fall beanspruchen Sie so viele Privilegien für sich bis sich ein gesunder Mittelweg eingependelt hat.
Egal welchen Weg Sie gehen: Tun Sie es immer mit der Alpha-typischen stoischen Ruhe und Souveränität und ohne Gewaltanwendung.
Konkrete Beispiele für menschliches „Alphaverhalten“
Uns als Chef steht das Recht unserer Individualdistanz zu. Dem Hund als Untergeordneten, jedoch nicht. Wir als Alpha dürfen ihn jederzeit anfassen und "auf die Pelle rücken". Deshalb wird er regelmäßig überall!!! gebürstet, ob er schmutzig ist oder nicht. Dabei werden auch die Pfoten kontrolliert, ins Maul und in die Ohren geschaut. Ein Alpha duldet eine Unterschreitung seiner Individualdistanz nicht - ein untergeordnetes Tier muss sich einfügen.
Der Hund wird nur dann gestreichelt, wenn wir ihn dazu auffordern. Kommt er von sich aus und fordert seine Streicheleinheiten (Fordern steht nur dem Chef zu), wird er zuerst auf seinen Platz geschickt, nach ein paar Minuten von uns gerufen und dann gestreichelt. Häufig ist es besser das Fordern des Hundes völlig zu ignorieren, sich umzudrehen und selbst wegzugehen denn alleine die Zuwendung beim Wegschicken wirkt auf manche Hunde als Belohnung.
Man sollte darauf achten, dass Streicheln einen ganz hohen Stellenwert bekommt, also nur selten streicheln und vor allem nicht im Ungedanken an dem Hund herum tätscheln. Streicheln als Lob für eine besondere Leistung wird unseren Hund veranlassen, sein Bestes zu geben. Kurzgefasst: Streicheleinheiten nicht verschenken sondern verdienen lassen.
Liegen auf der Couch oder im Bett also auf dem Chefplatz ist für den Hund absolut verboten. Wie anfangs schon erwähnt ist das ein Privileg, auf das ein Alpha niemals verzichten und das er auch mit niemandem teilen würde.
Seine Decke legen wir an einen Platz, der uns angenehm ist; nicht dorthin wo der Hund sich selbst am liebsten hinlegt. Dadurch nehmen wir ihm das Chefprivileg, sich den Platz auszusuchen, der ihm am besten gefällt und/oder wo er den besten Überblick hat. Bei Hunden, die sich im Moment für ranghoch halten sollte der Liegeplatz keinesfalls im „strategisch wichtigen“ Eingangsbereich liegen.
Wenn uns unser Hund im Weg liegt, wird er prinzipiell weggeschickt. Auf keinem Fall sollte man um ihn herumgehen, weil der arme Kerl ja gerade so schön bequem da liegt. Wir als Leittier haben das Recht, unser Weg ungehindert zu gehen und müssen auch darauf bestehen, um glaubhaft zu sein. Einem anderen den Weg versperren ist nämlich Teil des Imponierverhaltens.
Wir gehen immer zuerst durch eine Tür oder eine enge Stelle dies ist ein wichtiges Chefprivileg, das gleichzeitig auch dem Schutz des Rudels dient der Alpha sichert den Weg. Diese Gewohnheit dient nicht nur dazu, unsere Rechte zu wahren sondern ist auch ein wichtiger Sicherheitsfaktor für unseren Hund: Wenn er gelernt hat, auch bei einer geöffneten Tür (egal ob Haus- oder Autotür) auf die Erlaubnis zum Gehen zu warten, besteht weniger Gefahr, dass er unter ein vorbeifahrendes Auto gerät.
Im Wolfs- wie auch im Hunderudel beginnt ein erwachsenes Tier bereits mit dem Welpen das "Tabu" zu üben. Es legt einen Knochen oder ein Stöckchen demonstrativ vor den Welpen. Sobald dieser zu nahe daran geht, wird er mit entsetzlichem Geknurre verjagt. Da ein Welpe schrecklich neugierig ist - er will ja lernen - wird es bei einem einmaligen Versuch nicht bleiben. Die totale Konsequenz des erwachsenen Tieres, d.h. es behält das Tabu ständig im Auge, sorgt dafür, dass der Welpe schon nach kurzer Zeit lernt, dass ein Verbot generell gilt.
Auch wir als Hundechef müssen in der Lage sein, eindeutige Verbote setzen zu können und diese auch durchzusetzen. Wie dies im einzelnen geübt wird erfahren Sie während meiner Unterrichtsstunden.
Wir halten uns immer aufrecht vor dem Hund und achten auch darauf, erhöht vor ihm zu sitzen. (Also nicht auf den Boden setzten oder legen.) Die "platz - Übung" gibt uns ebenfalls eine gute Gelegenheit, um unserem Hund zu imponieren. Nachdem er liegt, gehen wir ganz nahe um ihn herum und steigen auch über ihn. Dadurch beschränken wir ihm seine Individualdistanz und zwingen ihn, zu uns aufzublicken.
Wir reden prinzipiell mit leiser, ruhiger Stimme. Wenn man bedenkt, dass ein Hund bis zu 8 Mal so gut hört wie wir, dann ist es mit Sicherheit unnötig, ein Kommando zu schreien. Im Gegenteil: je leiser wir mit unserem Tier reden, desto aufmerksamer wird es zuhören. Das ist übrigens nicht nur im Umgang mit dem Hund so, sondern auch bei den Menschen. Jemand, der ständig in der Gegend herum schreit, wird kaum mehr ernst genommen, wenn er einmal so richtig wütend ist. Aber von jemandem, der normalerweise leise spricht, wirkt ein lautes Wort oft Wunder. Deshalb heben wir uns das "Anschreien" für den absoluten Notfall auf und werden sehen, dass unser Hund dann wirklich reagiert.
Zuerst essen wir. Der Hund wird weggeschickt, sobald er näher als einen Meter an uns herankommt. Bei einer geklärten Rangfolge genügt ein scharfer Blick um den Hund zum Gehen zu veranlassen.
Ich muss nicht extra erwähnen, dass der Chef nicht teilt, d.h. niemals vom Tisch füttern. Erst wenn alle fertig sind und das Geschirr gespült ist, bekommt der Hund an seinem eigenen Fressplatz sein Futter.
Bevor er an seinen Napf darf, muss er ein "sitz" oder "platz" machen, also für sein Futter einen Befehl von uns befolgen. Nützlich kann es auch sein, wenn Sie den Hund nicht zu genau festgelegten Zeiten füttern, sondern dann, wenn es Ihnen gerade passt. Er erkennt dann seine Abhängigkeit von Ihnen viel eher an und wird mehr Aufmerksamkeit auf Sie richten. (Unregelmäßiges Füttern führt allerdings auch dazu, dass der Hund nicht mehr zu festen Zeiten sein „großes Geschäft“ verrichtet, ist also für die meisten Hundebesitzer nicht günstig.)
In manchen Fällen kann es sehr nützlich sein, alles Futter über den Tag verteilt aus der Hand zu geben und zwar immer dann wenn der Hund ein erwünschtes Verhalten zeigt.
In der Regel geht ein Alpha nicht auf Spielaufforderungen seiner Untergebenen ein. Deshalb bestimmen wir den Beginn und das Ende des Spiels. Alle Spiele, bei denen unser Hund kräftemäßig überlegen ist, müssen unbedingt vermieden werden. Sinnvoll sind Apportierspiele und Suchübungen. Der Jagd- und Spieltrieb des Hundes wird so in Bahnen gelenkt, die wir genau kontrollieren können.
Das Spiel bietet uns auch gute Möglichkeiten, zu imponieren. Wir behalten das Stöckchen oder Bällchen, mit dem wir eben noch mit unserem Hund gespielt haben, in der Hand. Wir werfen es hoch und fangen es wieder auf, aber unser Hund darf nicht mehr mitspielen. Ab sofort ist es tabu. Prinzipiell gilt, dass das Herrchen Besitzer vom Spielzeug ist und nicht der Hund. Deshalb sollte man das Bällchen nach Ende des Spiels wieder wegräumen. Zum einen behält das Spielzeug seinen Reiz wenn es nicht immer da liegt, zum anderen zeigen wir unsere Dominanz wenn wir es behalten dürfen und nicht der Hund.
Wir bestimmen, wann wir gehen (Leine bringen, Unruhe zeigen usw. wird ignoriert), wohin wir gehen und wie schnell wir gehen. Wir bestimmen, welchen Hund unserer beschnüffeln darf und gerade zu der geliebten Nachbarshündin darf er jetzt mal nicht gehen.
Je dominanter ein Hund ist, desto mehr sollte er an der Leine gehen. Der Zwang, sich uns anzupassen, vermindert seine Dominanz und erhöht unsere. Außerdem haben wir nur so die Möglichkeit, auch tatsächlich auf einem Kommando zu bestehen. Wir können bei einem Spaziergang alle Kommandos in immer wieder wechselnder Reihenfolge üben und laufen so nicht Gefahr, dass die Übungszeit zur langweiligen Routine wird.
Ein Spaziergang sollte dem Hund immer wieder neue Eindrücke bringen, d.h. nicht täglich die gleiche Strecke gehen, sondern wechseln zwischen Wald, Wiese, Stadt usw. Dadurch kommt keine Langeweile auf, was eine unserer wichtigsten Chefpflichten ist.
Regelmäßige Übungen mit dem Hund verdeutlichen ihm unsere Überlegenheit. Sie sollten sich aber nicht auf "fuß", "sitz", "platz", "hier". "zurück" und "hinten" beschränken weil sich sonst sehr schnell Langeweile ins Training einschleicht. Seien Sie kreativ. Üben Sie ein "kriech", ein "spring", ein "Männchen", ein "toter Hund", ein "roll dich", ein "gib Laut", ein "bring Zeitung" usw. - es gibt unzählige Möglichkeiten. Ihr Hund wird vor Ehrfurcht erstarren, was Sie alles können und wissen.
„Der Mensch als Alpha“ ist eine allgemein gehaltene Broschüre für alle Hundebesitzer. Wie genau Sie sich daran halten müssen hängt ganz einfach davon ab, wie dominant Ihr Hund sich derzeit fühlt - je dominanter er sich gebärdet desto mehr müssen Sie Ihre Chefrechte einfordern.
In Fällen wo der Hund bereits mit Aggression gegen Sie oder ein Familienmitglied reagiert hat, sollten Sie niemals selbst mit einer Rangordnungskorrektur beginnen sondern kompetente Hilfe in Anspruch nehmen. Einige der hier angeführten Punkte könnten nämlich bei einem Hund, der sich bereits als Alpha in seinem Mensch-Hund-Rudel sieht, aggressives Verhalten auslösen.
Vergessen Sie nie, dass ein wahrer Alpha nie mit Dominanz im Sinne von Tyrannei „herrscht“ sondern mit Souveränität anführt.
Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Sie ein guter Alpha für Ihren Hund werden und viele glückliche Jahre mit ihm erleben dürfen.