Trauerverhalten, Enttäuschung = Reaktive Depression
Trauer: Leid, Traurigkeit, Wehmut, Melancholie, Schwermut, Trübsal, Freudlosigkeit, Gedrücktheit, Trübsinn, Trübsinnigkeit, Bedrücktheit, Betrübnis, Bekümmertheit, Bekümmernis, Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit, Verzagtheit, Depression, seelisches Tief (Mayer’s Duden der sinn- und sachverwandten Wörter)
Das Bild eines reaktiven Depressionszustandes (= Trauer) sieht bei Hunden nicht immer völlig gleich aus, im allgemeinen findet man jedoch eine oder meistens mehrere der folgenden Erscheinungen: Bewegungseinschränkung, Verkriechen, Interesselosigkeit an den Vorgängen in der Umgebung, Schlaflosigkeit bzw. nächtliche Unruhe, Appetitlosigkeit und deshalb Futterverweigerung, gesteigerte Fluchtbereitschaft, Verlust der Spielfreude und des sexuellen Interesses, wenig bis keine Reaktion auf Berührung und sogar auf Schmerz oder aber gesteigerte Berührungs- und Schmerzempfindlichkeit, Probleme im Ausscheidungsvorgang (von Verstopfung bis zum Durchfall), Erbrechen, sowie körperlich messbare Veränderungen wie Pupillenerweiterung, Verminderung der Herzfrequenz und Senkung der Körpertemperatur. Der Hund gibt kampflos seine Rangstellung auf, verliert manchmal seine Stubenreinheit, bewacht sein Territorium nicht mehr usw.
Allgemein gesagt: das Tier macht einen schwerkranken Eindruck.
Der Hund wird dann zum Tierarzt gebracht, der anhand der geschilderten Symptome in der Regel auf Magen Darm Infektionen, auf Nierenstörungen, Herzerkrankungen usw. schließt und dementsprechend behandelt natürlich ohne Erfolg.
Gründe für reaktive Depressionen sind vor allem der Verlust eines Rudelmitgliedes (Mensch, Zweithund, Katze, Goldhamster usw.), Abgabe des Hundes an neue Besitzer, zeitweise Unterbringung in einer Tierpension (mit wenig Abwechslung oder viel Stress) aber auch relativ „harmlose“ Gründe wie Bewegungseinschränkung (z.B. nach einer Operation). Auch das Hinzukommen eines neuen Familienmitglieds (siehe Eifersucht) führt häufig zu Trauerverhalten infolge Verlust der uneingeschränkten Aufmerksamkeit. Selbst Kleinigkeiten wie kürzere Spaziergänge (z. B infolge geänderter Arbeitszeiten) können bei „Seelchen“ depressive Erscheinungen auslösen.
Wichtig ist dabei zu wissen, dass sehr häufig Hunde, die man als „dickfellig“, stur und selbstbewusst bezeichnet, denen man also eine solche Empfindungsfähigkeit gar nicht zutraut, geradezu prädestiniert für reaktive Depressionen sind. Denn viele dieser Hunde sind in Wirklichkeit gar nicht so selbstbewusst wie sie erscheinen, sondern ziehen ihre Stärke aus ihrer „geordneten Welt“, wo alles seinen festen Ablauf hat. Verändert sich das Umfeld, so ist häufig gerade ein „starker“ Hund am meisten gestört. Nur denkt bei solchen stark wirkenden Hunden kaum jemand an seelische Ursachen bei bestimmten Krankheitsbildern.
Frustration
=Desillusion, Desillusionierung, Ernüchterung, kalte Dusche (ugs.), Katzenjammer (ugs.), Versagung, Frustration, Frust (ugs.) (Mayer’s Duden der sinn- und sachverwandten Wörter)
Frustration: Erlebnis der Enttäuschung durch Ausbleiben eines erwarteten und/oder geplanten Handlungserfolgs, von dem die Befriedigung primärer oder sekundärer Bedürfnisse abhängt. Psych. Enttäuschung durch erzwungenen Verzicht od. Versagung von Befriedigung. (Mayers Duden)
Frustration entlädt sich häufig in Form von Entlastungsverhalten (Übersprung, Handlung am Ersatzobjekt uvm). Es gibt aber auch zahlreiche Hunde, die infolge Frustrationen die gleichen Symptome aufweisen wie unter Trauer beschrieben, also seelische und körperliche Reaktionen.
Die Begriffe Trauer, Enttäuschung und Frustration sind also gar nicht genau zu trennen. Sie drücken alle negative Gefühle aus das, was der Hund erwartet hat, geschieht nicht:
Sei es, dass ein geliebter Mensch nicht mehr kommt (weil er ohne den Hund umgezogen oder gestorben ist), dass der Hund spielen will und nicht darf, dass Zeit für den Spaziergang ist und Herrchen/ Frauchen lässt ihn nur schnell auf die Wiese oder dass Herrchen / Frauchen ohne den Hund weggehen obwohl sie „Hundeschuhe“ angezogen haben ....
Wie beim Menschen ruft auch beim Tier ein gestörtes Seelenleben oftmals organische Schäden hervor. Meistens ist dabei dasjenige Organ am stärksten von einer psychosomatischen Funktionsstörung betroffen, das kurz vorher aus irgendeinem anderen Grund erkrankt war.
Oftmals bilden sich diese Krankheiten kurz nach Entfernen der Ursache wieder zurück. Bleibt die seelische Belastung aber lange genug bestehen, können lebenslange Veränderungen (und zwar seelische genauso wie körperliche) die Folge sein.
Davon sind besonders solche Wesen betroffen, die eine geringe Befähigung zu Entlastungshandlungen haben man sagt, sie sind „Neurose disponiert“.
Je depressiver ein Hund reagiert desto wichtiger ist für ihn Ablenkung, Spiel mit Artgenossen, intensive Arbeit usw. also generell werden alle Maßnahmen getroffen, die auch bei Menschen mit Depressionen empfohlen werden.
Man sollte als Besitzer bei allen unklaren Krankheitsbildern, für die der Tierarzt keine eindeutige Erklärung hat bzw. die nicht auf die üblichen Medikamente ansprechen, darüber nachdenken, ob sich in letzter Zeit etwas im Umfeld des Hundes verändert hat.
Stress
Ich habe lange überlegt, ob ich den Begriff „Stress“ in der Gefühlswelt unserer Hunde benutzen soll, denn im allgemeinen Sprachgebrauch ist „Stress“ eine typische Reaktion auf unser menschliches Leben.
Stress: erhöhte Beanspruchung, Belastung physischer und/oder psychischer Art, die bestimmte Reaktionen hervorruft und zu Schädigung der Gesundheit führen kann. (Duden)
Stress: ist die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Anforderung, die an ihn gestellt wird.... Bei der Beurteilung einer stresserzeugenden Wirkung ist es nebensächlich, ob das auf uns wirkende Agens (= treibende Kraft) oder die Situation in der wir uns befinden, angenehm oder unangenehm ist; es kommt lediglich auf die Intensität der Forderung nach einer Umstellung oder Anpassung an....Tatsächlich sind ja beim Menschen mit seinem hochentwickelten Nervensystem Gemütsregungen die am häufigsten auftretenden Stressoren... ( Streß Hans Selye)
Wenn ich von o.a. Definitionen ausgehe, dann gehört der Begriff „Stress“ unbedingt hierher, denn Trauer, Enttäuschung, Frustration, Angst, Aggression, Liebe, Eifersucht usw. sind eindeutige Stressoren und die Reaktionen darauf sind mit denen von Stress, allgemein gesprochen, gleichzusetzen.
Dauerstress kann intensive Nervenschädigungen die teilweise irreversibel sind zur Folge haben und im Extremfall bis zum Tode führen.