Das Teletaktgerät


Für diejenigen, die nicht wissen, was das ist: Es handelt sich um ein kleines Kästchen, das mittels Halsband am Hals des Hundes befestigt wird und das elektrische Schläge aussenden kann. Der Besitzer hat einen Sender an dem er die Stärke des Stromschlags einstellen kann und dann natürlich das „Knöpfchen“ zum Auslösen.

Das Teletaktgerät, kurz Taker genannt, wurde früher auf fast allen Hundeplätzen verwendet um bei einem Hund unerwünschtes Verhalten zu bestrafen. Und als unerwünschtes Verhalten wurde z.B. auch das nicht korrekte Befolgen von Kommandos gesehen – der Taker wurde also als Ausbildungshilfe verwendet. Außerdem fand er regelmäßige Verwendung um Hunden das Jagen abzugewöhnen.

Auch in der heutigen Zeit kommen viele Ausbilder immer noch nicht ohne den Taker aus. Was ist von Ausbildern zu halten, die einem Hund Schmerzen zufügen, um ihn zur perfekt arbeitenden Maschine zu machen? Schmerzen als Ausbildungshilfe? Die Takerfreunde halten direkt entgegen, dass sie eben keine Schmerzen zufügen sondern dem Hund das Lernen leichter machen weil sie über kleine Kitzelreize oder schlimmstenfalls Schreckmomente dem Hund die sonst übliche Leinenrucks oder Fußtritte ersparen können.... Für wie blöd halten sie die Menschheit? Jault der Hund beim Takern auf weil er kitzelig ist???

Ich will meine Meinung ganz klar und deutlich formulieren: Jeder Ausbilder, der zur Ausbildung eines Hundes ein Teletaktgerät benötigt zeigt damit seine Unfähigkeit. Ignoranz und/oder Unkenntnis von Lernmechanismen und neuesten kynologischen Erkenntnissen zwingen ihn dazu, den Hund mit Schmerzen auszubilden weil er als Ausbilder ansonsten schlichtweg versagen würde.

Kommen wir zum Einsatz des Teletaktgerätes um einem Hund das Jagen abzugewöhnen. Ein jagender Hund schwebt in unserer Umwelt in absoluter Lebensgefahr und wird auch zur Gefahr für uns (Beispiel Ausweichmanöver wenn der Hund vor’s Auto läuft). Daher kann und darf unkontrolliertes Jagdverhalten eines Hundes nie geduldet werden. Einmalige Schmerzzufügung um Leben zu retten? Damit könnte ich nach reiflicher Überlegung leben.

So einfach ist das aber nicht!
Erstens: Ein einmaliger Schmerz wird keinen Hund vom Jagen abhalten. Also muss mehrmals getakert werden.
Zweitens: Ein Hund, der infolge Schmerzzufügung nicht mehr jagen geht wird dies nur eine Zeit lang unterlassen. Nicht nur wir Menschen vergessen mit der Zeit... auch Hunde.
Drittens: Ein jagender Hund reißt sich an Dornen Löcher ins Fell und zerschneidet sich die Füße ohne es momentan zu spüren. Klar – sonst wäre jede Jagd sehr schnell zu Ende – ein Schutzmechanismus der Natur. Frage: wieviel Schmerz braucht es, um einen Hund dann mitten in der Jagd zuverlässig zu stoppen???

Aber in die ganze Takergeschichte spielt noch ein Aspekt hinein, der den meisten Hundebesitzern und noch schlimmer auch den takernden Ausbildern nicht bekannt ist:

Wer ein Teletaktgerät benutzt, arbeitet entweder über bedingte Hemmung (zusammen mit „nein“ „pfui“ usw. oder über bedingte Aversion (Besitzer tritt nicht in Erscheinung). Das ist ein Lernmechanismus der darauf baut, dass der Hund lernt, eine bestimmte Verhaltensweise zu unterlassen weil sie für ihn unangenehm bis schmerzhaft ist. So gesehen könnte man ein Teletaktgerät also noch „fachgerecht“ und „verantwortungsvoll“ einsetzten. Nun kommt aber ein ganz wichtiger Umstand zum Tragen: Hunde verknüpfen immer Dinge, die fast zeitgleich miteinander passieren. Ein einziger anderer Gedanke und es wird nicht mehr das verknüpft, was der Ausbilder beabsichtigt.
Beispiel: Ein Hund geht jagen. Er spurtet los, der Besitzer ruft ihn und wenn der Hund nicht hört drückt er auf’s Knöpfchen( = bed. Hemmung) oder er drückt wortlos auf’s Knöpfen (=bed. Aversion). Solange der Hund die Spur des Hasen im Kopf hat und er den Schmerz empfindet verknüpft der Hund „Hasen jagen tut weh“. Sinn und Zweck ist erfüllt – wenn der Schmerz stärker als das Jagdvergnügen ist wird der Hund das Jagen (zumindest eine Zeit lang unterlassen). Was ist aber wenn der Hund losgerannt ist und das Knöpfchen in der Sekunde gedrückt wird wo der Hund z.B. ein Kind schreien hört (es soll auch heute noch Menschen geben, die mit ihren Kindern im Wald spazieren gehen)... der Hund verknüpft nicht mehr „Hasen jagen tut weh“ sondern „Kinder tun weh“. Je nachdem wie dieser Hund geartet ist wird er zukünftig Angst vor Kindern haben und sie meiden oder ???????

Anhand dieses Beispiels wird klar, dass selbst der beste Ausbilder eine Fehlverknüpfung nicht ausschließen kann. Ich selbst kenne alleine vom Jahr 2001 einen Setter, der die Schmerzen des Teletaktgerätes mit irgend einem fliegenden Tier verknüpft hat und den ich im Frühjahr, als überall Mückchen herumschwirrten, als ein vor Angst vollgepinkeltes, zitterndes Häufchen Elend kennengelernt habe. Fall Nr. 2 war ein Dobermann, der seit dem einmaligen!!! Einsatz des Takers jeden Fahrradfahrer zerfleischen wollte. Vor dem Takern ignorierte er Fahrräder völlig. Und dann noch einige Hunde, die „nur“ total verängstigt waren, ohne dass man einen bestimmten Grund erkennen konnte...

Deshalb gilt für mich: Selbst wenn es 99 Mal gut geht und nur bei einem Hund eine Fehlverknüpfung entsteht muss ein gewissenhafter Ausbilder den Einsatz des Teletaktgerätes ablehnen denn auch EINER IST ZUVIEL.

Ein klares NEIN gegen das Teletaktgerät!

Birgit Lehnen


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