Die bösen Kampfhunde - meine Einstellung
Ich bin als Sachverständige zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden für das Saarland benannt worden.
In dieser Tätigkeit und natürlich auch durch meine Hundeschule lernt man selbstverständlich diverse hochaggressive Tiere kennen.
Interessierten werde ich nun einige meiner schlimmsten Fälle schildern:
Fall Nummer 1: Timmy, 4 Jahre alt
Wie immer wenn ein neuer ausgewachsener Hund zu mir kommt, treffe ich mich mit den Besitzern auf einem neutralen Gelände (Waldparkplatz), um den Hund so zu sehen wie er normalerweise ist. Im telefonischen Vorgespräch hatte ich schon erfahren, dass Timmy auf so ziemlich alles was sich bewegt mit absoluter Aggression reagiert, auch hunderte von Metern nach vorne stürmt um seine Zähne in den Gegner zu schlagen - egal ob Mensch oder Hund und deshalb gar nicht mehr von der Leine durfte. Er hatte auch schon diverse Male nach seinen Besitzern geschnappt. Der letzte Hund, den er angefallen hatte war ein Rottweiler. Gott sei Dank konnten beide Besitzer ihre Hunde trennen bevor es dem Rottweiler ans Leben ging. Auch harmlose Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer, Autos und sogar LKWs waren schon mehrmals von ihm attackiert worden.
Beim Besichtigungstermin verbiss sich Timmy innerhalb von Sekunden in meine Hose und ich kann von Glück sagen, dass es Winter war und meine Kleidung dementsprechend dick war... Timmy war ein Zwerg-Yorkshire Terrier.
Fall Nummer 2: Max, 1 Jahr alt
Vorgeschichte genau wie bei Timmy - kein Mensch und auch kein Hund egal welcher Grösse war vor ihm sicher. Eine Sekunde war die Besitzerin unaufmerksam - ein Sprung und er hatte sich in meine Jacke verbissen - Max ist ein Malteser - Mix
Fall Nummer 3: ebenfalls ein Max, ca. 5 Jahre alt
Gleiches Verhalten wie die anderen Kampfhunde - alle Hunde und Menschen wurden geschnappt. War ihm ein Zubeissen unmöglich, z.B. indem man ihn an kurzer Leine auf Abstand hielt, versuchte er zumindest, die jeweilige Person anzupinkeln. Dieser Max war ein Westie
Die Liste liesse sich endlos verlängern. Bestimmt 80% der hochaggressiven Hunde sind die Kleinen. Nur nimmt es da niemand ernst.
Und nun ernsthaft zu den "richtigen Kampfhunden":
Ich erkläre mich solidarisch mit all denen, die bei Aktionen wie "Red Ribbon" u.ä. mitmachen.
Leider Gottes werden deren Bemühungen immer wieder durch zwielichtige Gestalten zunichte gemacht, die ihre Hunde tatsächlich als Kampfhunde ohne " " züchten und abrichten. Ich bin mir sicher, dass sich solche Typen nicht an meinen Seiten interessieren und auch niemals zum Unterricht, geschweige denn zu einem Sachkundenachweis antreten werden.
Ich richte mich an all diejenigen, deren Hunde als gefährlich abgestempelt wurden und die auch selbst teilweise als asozial bezeichnet werden, und das nur deshalb, weil sie einen Hund einer bestimmten Rasse oder Grösse besitzen.
In meiner Tätigkeit als Verhaltenstherapeutin und Ausbilderin von Hunden ist mir bis jetzt nur ein einziger Hund, der heute als Kampfhund geführt würde, begegnet, den ich als hochaggressiv und nicht therapierbar bezeichnet habe. Es handelte sich dabei um ein knapp 5 Monate altes Pit-Mädchen, das eindeutig aus einer Aggressionszucht stammte. Ihr einziges Ziel war es, andere Hunde zu töten. Da es sich eindeutig um eine genetische Ursache handelte riet ich schweren Herzens zum Einschläfern. Alle anderen "Kampfhunde" - egal welcher Rassen - sind nicht schlimmer als z.B. Schäferhund, Collie, Berner Sennen usw.; sie zeichnen sich im Gegenteil in der Regel durch eine regelrechte Sucht, ihren Herrchen/Frauchen zu gefallen aus. Aber glauben will das leider keiner....