Liebe und Eifersucht
Für das Abdrängen oder Wegbeißen anderer Hunde, das Dazwischendrängen wenn die Familie schmust usw. wird ganz allgemein der Begriff „Eifersucht“ benutzt. Zur Erklärung was diese Eifersucht bei Hunden überhaupt ist, gibt es unterschiedliche Ansätze:
Zahlreiche Menschen sind der Meinung, dass der Hund ist in der Lage ist, Liebe und dadurch auch Eifersucht zu empfinden. Wenn ich manchmal sehe wie meine Hunde mich anschauen, dann kann ich diesen Blick nur als liebevoll bezeichnen. Meine Hündin Bonnie wurde in diesem „Blickkontakt suchen“ ein wahrer Meister. Sie schaute mich an und ich spürte diesen Blick durch den Rücken hindurch. Drehte ich den Kopf und nahm Blickkontakt mit ihr auf dann war sie glücklich. Mit einem behaglichen Seufzer legte sie dann manchmal den Kopf auf ihre Decke und schlief ein, oftmals beobachtete sie mich aber lange Zeit weiter. Und in diesem Blick war nichts von Dominanz, Drohstarren usw., sondern absolutes Vertrauen. Dieser Blick sagte eindeutig: „ich liebe Dich.“ Für viele Menschen ist diese Aussage übertrieben oder sogar völliger Blödsinn aber ich stehe dazu und bin mir sicher, daß Hunde in der Lage sind, ein Gefühl das der menschlichen Liebe entspricht, zu empfinden. Diese Liebe will er mit niemandem teilen (vor allem mit keinem Fremden). In unserem Sprachgebrauch entspricht dieses Verhalten der Eifersucht. Den selben Blick kenne ich auch von meinem Sam und ein neuer Meister darin ist mein Zippelchen.
Da Gefühle nicht wissenschaftlich zu messen sind, werden sie einem Hund nicht offiziell zugestanden. Deshalb wurde ein anderer Erklärungsansatz für das, der Eifersucht entsprechenden, Hundeverhalten gesucht: Hunde sind Hedonisten (= Annehmlichkeit suchende Geschöpfe). Bei allem, was der Hund tut steht im Vordergrund, dass er sich wohl fühlen will. Deshalb tut er alles um Zuneigung zu erlangen da ihm das ein Glücksgefühl und dadurch Entspannung vermittelt. Jede Art von Zuwendung ideell betrachtet (Streicheln, gute Worte usw.) hat für den Hund den gleichen Wert wie materielle Zuwendung (Leckerchen, Knochen...), weil sie den gleichen Gefühlston, nämlich Wohlbefinden, hervorruft. Deshalb verteidigt der Hund seine Gefühlswerte genauso stark wie einen Knochen = Eifersucht. Die aktive Suche nach Zuneigung (Streichelaufforderung, Aufmerksamkeit erwecken usw.) kann man durch Beobachtung in Statistiken packen und wird deshalb schon eher anerkannt. Durch Messung der Herz- und Gehirnfrequenz stellte man fest, dass z.B. bei einem alleine gelassenen, verängstigten Welpen schon das Kommen eines vertrauten Menschen genügt, um seinen Herzschlag bis zu 40% zu senken. Streicheln hat für den Hund keinen ideellen sondern einen absoluten Wert. Übrigens: Je aktiver ein Hund ist, um so mehr braucht er Entspannung ð er fordert stürmisch aber gezielt dort, wo er Gegenleistung erwarten kann.
Ein dritter Erklärungsansatz - und das ist der, der allgemein akzeptiert wird - beruht auf der Rangordnung im Rudel: Es ist durch zahllose Beobachtungen nachgewiesen, dass das Tier in der zweithöchsten Stellung sich dem Alpha am meisten und am häufigsten nähern darf. Je niederer ein Tier in der Rangordnung steht, desto größer ist die Entfernung, die es zum Leittier einhalten muss und desto mehr achten die in der Rangfolge näher am Alpha stehenden Tiere - auf das Einhalten dieses Abstands = Eifersucht. Kommt ein fremder Hund zu uns und unser Hund gestattet diesem Tier, sich zwischen sich und das Herrchen zu drängen, dann akzeptiert der Hund automatisch die Überlegenheit dieses Tieres. (Das ist aber jetzt nicht meine Überzeugung sondern die „Rudeltheorie“)
Dieses genaue Einhalten der Rangordnung bzw. der Dominanzstellung ist bei unseren Haushunden nicht mehr ganz so stark vorhanden wie bei Wölfen aber wir können sehr gut erkennen, dass bei dominanten Tieren das Bedürfnis, fremde Hunde vom Besitzer abzudrängen, viel größer ist als bei subdominanten Tieren zumindest dann, wenn dieser dominante Hund seinen Besitzer als Alpha erkennt. Je weiter eine Hundelinie auf absolute Verträglichkeit mit Mensch und Tier gezüchtet ist, desto weniger werden solche Feinheiten in der Rudelordnung eingehalten.
Ich denke, dass nur eine Mischung aller drei Erklärungsansätze dem Verhalten unserer Hunde gerecht wird. Wir haben aber kein Recht unseren Hunden ein Gefühl wie Liebe oder Eifersucht abzusprechen nur weil wir es nicht messen können. Ich denke, dass bei vielen Menschen immer noch die Denkweise dahinter steckt, dass der Abstand zwischen Mensch und Tier so groß wie nur möglich sein muss. Gestehe ich einem Tier Gefühle zu, dann ist der Mensch dem Tier gar nicht mehr so überlegen wie er sich immer einbildet.
Vorsicht: Auch wenn wir unseren Hunden Gefühle wie sie auch der Mensch hat zusprechen, dürfen wir dennoch nicht den Fehler machen und unsere Hunde vermenschlichen. Probleme sind dann vorprogrammiert.