Inhalt:
Ohne Frage haben Hunde ein Langzeitgedächtnis:
Unsere neun Rüden verschiedener Rassen leben jeweils sechs Monate in Deutschland, sechs Monate in Canada.
In Canada gibt es Tiere, die unseren Eichhörnchen ähneln, die sog. Squirrels. Diese flinken, hundenervenden Kletterer haben ein Spiel erkoren: Welchen Hund bringe ich am ehesten zur Weissglut....???? In der Praxis sieht es so aus, dass die Nager immer dichter und gewagter an den Baumstämmen, Telefonmasten u.ä. herumklettern. Wenn es dann irgendwann zur Unerträglichkeit für die Hunde wird, d.h. zur Übersprungshandlung kommt, (einem kurzen aber heftigen Kampf untereinander), dann rennt der Nager (grinsend) in seinen unterschiedlichen Behausungen.
Wenn nach sechs Monaten nach langem Flug im stark sedierten Zustand meine Hunde aus den Transportkisten kommen, dann ist die allererste Handlung, noch torkelnd, aber in Windeseile, die bereits bekannten Squirrel-Wohnungen abzuschnüffeln.
Wohlgemerkt: sechs Monate später!! Noch Fragen zum Thema
LANGZEITGEDÄCHTNIS?
Hallo Birgit,
Deine Seite ist schönes Futter fürs Hirn, Danke dafür.
Zum Langzeitgedächtnis: da hat mich meine Amira wohl verwöhnt. 2 Wochen hätte ich da für eine Selbstverständlichkeit gehalten ;-))).
Mit 7-8 Monaten besuchten wir Freunde und blieben dort für 2 Nächte. 1 Jahr später wiederholten wir den Besuch. Der Eingang ist identisch mit 4 weitern in der Häuserfront, die sich alle so ähneln, daß ich selbst nach der Nummer schauen muß. Amira hopste aus dem Auto und lief zielstrebig mit allen körpersprachlichen Signalen freudiger Erwartung auf den richtigen Eingang zu. Ich versuchte sie zu irritieren, zu einem falschen Eingang zu locken, no way. Auch das nähere Umfeld mit dem kleinen Park hatte sie noch in Erinnerung. Ab Haustür direkt zum Hasenbau.
Sie war sehr mißtrauisch zu Besuchern, Menschen die ihr bereits Gastfreundschaft gewährt hatten wurden immer willkommen geheißen, auch wenn der letzte Kontakt sehr lange zurücklag.
Selbst “Dummchen” Imara, die nicht die harte Schule des Straßenlebens über Monate genossen hat, erkennt auch nach Wochen noch die richtige “Wohnungstürrichtung”, wenn wir Freunde besuchen. Und genau wie Amira kann sie keine Stockwerke zählen. Beide stehen immer, auch nach Monaten, vor der “richtigen” Tür, konsequent in jedem Stockwerk :-)))). Da hat Trumler vielleicht doch recht, wenn er schreibt, daß es kein Problem ist, der Hündin schwache Welpen wegzunehmen, weil Hunde nicht zählen können ;-)))
Imara hat aber ein deutlich schlechteres Langzeitgedächtnis als Amira. Bei der kamen wohl eine günstige Genetik und ein der analytischen und Problemlösungsintellegenz förderliches Umfeld in den ersten 5 Monaten zum tragen. Sie kannte nur Lösungen, keine Probleme. Mein Ersthund hat mich sehr verwöhnt. Allerdings hat sie ihren Ursprungscamping nach 4 Jahren nicht erkannt, wohl aber Freunde an anderen Orten in Marokko, wo wir uns einige Wochen aufgehalten hatten.
Gegen ein Langzeitgedächtnis von Hunden spricht, daß selbst Amira den Hundehasser, mit dem wir ein extrem unangenehmes Erlebnis hatten und der sie durch einen Angriff auf mich so in Rage gebracht hatte, wie ich es vorher und nachher nicht wieder gesehen habe, einige Monate später auf unserer gewohnten Tour ohne das geringste Zeichen von Erkennen passieren lies. Vielleicht aber auch Ausweichen einer kritischen Situation durch Ignoranz, ich war jedenfalls sehr dankbar für die Null-Reaktion, der Typ verfolgte uns einen Sommer lang.
Zu einem Statement von Dir kann ich mir auch eine Anmerkung nicht verkneifen, ich fühle mich so schrecklich angesprochen ;-)):
“Mir fehlt das Verständnis für Menschen, die einen Hund zu sich nehmen, ohne überhaupt zu wissen, um welchen Typ Hund es sich dabei handelt und welche Bedürfnisse ein Hund überhaupt hat. Ich kenne einige Besitzer, die erst von mir erfahren haben, dass aus dem goldigen, wuscheligen Wollknäuel demnächst ein Herdenschutzhund wird oder dass ein Windhund wohl “etwas mehr“ Auslauf bräuchte als eine Zwergrasse...”Hallo, ich bin so Eine. Adoptierte einen Windhund-/HSH-Mix vom marokkanischen Campingplatz, ohne zu wissen, was ich mir da antue. Senfft/Strege haben in ihrem Buch “Die neue Hundeschule” (oder so ähnlich) ganz richtig geschrieben, solche Hunde seien nichts für Ersthundhalter, es sei denn, dieser ist bereit, sich richtig in die ganze Canidengeschichte hineinzuknien. Da muß mensch mehr lernen als hund.
Na ja, nun kennst Du ja unser Team ;-)). Den Tip mit dem Aydi habe ich gespeichert und werde ich berücksichtigen. Nochmals Danke für Alles
Barbara
ein Beispiel zu Kaio's Langzeitgedächtnis:
Als er 11 Monate alt war, habe ich mit ihm einen clickerkurs in Langenfeld auf einem Hundeplatz gemacht. Er hat dort verschiedene Aufgaben gelernt, die ich später nie wieder nie wieder gemacht habe. Dort gab es verschiedene Agi-Geräte, sowie Hundehütten. Er lernte, z.B. über die A-Wand zu laufen, auf Kommando in die Hütte zu rennen, sich umzudrehen, usw.
9 Monate später kam ich auf den gleichen Hundeplatz zu einem TT-Seminar. Kaio war sofort sehr unruhig (er ist sonst ein sehr ausgeglichener Hund) und zog an der Leine auf den Platz. Dort machte ich ihn von der Leine und er lief den ganzen Parcour ab - ging alle Geräte durch und zeigte mir, was er 9 Monate vorher dort gelernt hatte!
ein Zweites Beipiel
so 2-3 mal im Jahr fahren wir zu Besuch zu meiner Mutter (sie wohnt weiter weg und hat eine Katze).
Beim ersten Besuch sah Kaio die Katze, die ins Wohnzimmer flüchtete und sich unter die Couch legte. Beim nächsten Besuch - 6 Monate später - rannte Kaio als erstes ins Wohnzimmer und guckte unter die Couch! Was er dort suchte, was ja wohl klar, oder?
Ich wünsche ihnen noch weiter viel Erfolg mit Ihrer Arbeit und freue mich schon auf Ihr Video.....
Falls Sie Kaio einmal sehen wollen - er hat eine (wenn auch schlechte) Homepage: http://mitglied.lycos.de/renatewerz/
Mit liebem Gru?/p>
Renate Werz und Kaio
Hallo liebe Birgit,
mit großen Interesse habe ich mich durch deine schöne HP gelesen oder besser gesagt:-) gehört...
Nun zu diesem Thema kann ich dir einige Beispiele nennen, aber vor ab möchte ich dir auch gern meine Meinung dazu berichten:
Mir wurde beigebracht, dass es einer Wiederholung von mindestens zwei Tausend mal erforderlich ist, bis bei einem Hund etwas von den Kurzzeitgedächnis in das Langzeitgedächnis gelangt oder verbleibt. Nun, dies wäre, wenn es wirklich so sein sollte, mir oft ein großes Rätsel, wenn ich höre, dass so manche Führhundausbilder einen Führhund in knapp vier oder fünf Monaten fertig und natürlich auch noch gut:-) ausbildet!! Es stellt sich mir dann die Frage, wie schafft er das?
Ich bin gesetzlich blind und habe meinen (Traum) Hund als Führhund im August 2004 bekommen... nach langen Kampf mit der Krankenkasse und nach noch längeren Suchen nach einem gesunden und wesensfesten Hund, habe ich nun meinen Helden! Einen schwarzen 2 3/4 jahre jungen Riesenschnauzer.
Ich erlebe täglich Sachen, bei denen man nur mit dem Kopf vor Bewunderung schütteln kann, aber eine Situation war für mich besonders irre:
Als ich meinen Führhund etwa sechs Wochen hatte, fuhr ich mit meinem Freund mit Auto zum Kurfürstendamm, wir mußten zu einem Anwalt und parkten direkt vor der Tür.
Die Eingangstür war am Ende einer großen hohen Treppe und ich nahm den Hund aus dem Auto an der Leine mit. Also nicht im Führbügel.
Genau zwei Monate später mußte ich wieder dorthin, jedoch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und allein. Wir fuhren also mit zwei Umsteigen zum Kudamm und ich traute mir die Suche nach dieser markanten Treppe schon zu und außerdem hatte ich ja meinen Mund!!! dabei. Denn wir haben ja nur was mit den Augen und nicht mit der Sprache:-)
Als wir aus der S-Bahn kamen liefen wir nach rechts und überquerten eine Ampel und ich fing gerade an zu überlegen, wie es nun weiter geht, als ich bemerkte, dass mein Hund zügig weiterlief und sich plötzlich nach rechts weiter bewegte und mich dann vor einer Treppe plazierte. Eine Frau kam gerade von oben herab und ich fragte sie nach der Hausnummer und es war die, die wir suchten..
Ich kriege da heute noch Gänsehaut... wie hat er das geschafft oder gar sich gemerkt.. die markante Treppe? Der Geruch?
Als wir fertig waren und wieder auf der Straße standen, dann brauche ich ja bloß sagen: Such Weg! und er geht den ganzen Weg wieder zurück.. theoretisch bis nach Hause.
Ich finde es wahnsinnig, wozu Hunde in der Lage sind und wie wir sie doch immernoch, trotz so viel Wissen, einfach nur unterschätzen! Oder?
Bei der Gespannprüfung im August mußten wir auch in ein Kaufhaus und er mußte mir dort einen Schalter anzeigen, also damit ist dann eine Kasse gemeint, und er tat dies zügig und er war da noch nie drin..
Weihnachten waren wir wieder in dem Kaufhaus und er brachte mich sofort zur Kasse und ich konnte da dann meine Anliegen loswerden. Auch diese Situation macht schon Gänsehaut und schwieriger für den Hund ist es wohl, sich gegen das noch vorhandene Mißtrauen meinerseits durch zu setzen.. und dies verwundert mich auch immer wieder, denn so ein Vertrauen, wie wir es wohl unseren Hunden gegenüber bringen müssen muß ja schließlich auch erst wachsen.
So liebe Birgit, nun ist es doch länger geworden, als ich dachte, aber ich hoffe, du fandest dies interessant und wenn du noch weitere Fragen hast, kannst du sie gerne stellen.
Ich grüße ganz herzlich
Kathrin Backhaus und ihr Hero