Beruhigungssignale bei Hunden

In den fünfziger Jahren wurden erstmals Beruhigungssignale von Wölfen beschrieben. Sie dienen dazu, Spannungen, Streß und Angst abzubauen. Auch unsere Hunde senden Beruhigungssignale aus, teilweise sogar noch deutlicher erkennbar als bei Wölfen. Die meisten der uns bekannten Beruhigungssignale kennen wir als Übersprunghandlungen wie Gähnen, Kratzen usw. und werden (hoffentlich) auch von uns verstanden.

Es gibt aber auch zahlreiche Beruhigungssignale, die bei uns ihren eigentlichen Sinn und Zweck völlig verfehlen - im Gegenteil, sie können uns so richtig "auf die Palme bringen". Dazu ein Beispiel: Beim Spaziergang sehen wir einen Menschen mit einem riesengroßen Hund auf uns zukommen. Vorsichtshalber wollen wir unseren Hund anleinen und rufen ihn. Durch unser "ungutes Gefühl" wegen des fremden Hundes ist unser Ruf sehr energisch - schließlich wollen wir unseren Hund an der Leine haben, bevor er seinen Artgenossen gesehen hat. Was macht aber unser Hund, der normalerweise sehr zuverlässig kommt? Er läuft Schlangenlinien, schnüffelt am Boden, hebt das Bein oder setzt sich sogar noch hin und quetscht mühselig ein Häuflein heraus obwohl er vorher schon eines gemacht hat. Obwohl wir ihn mit steigender Lautstärke weiter rufen, ignoriert er uns völlig und dreht den Kopf nach der anderen Seite. Letztendlich dreht er sich um und entfernt sich von uns anstatt zu kommen.

Wir könnten platzen vor Wut. Tatsächlich hat unser Fiffi aber ganz genau das Gegenteil beabsichtigt: er wollte uns beruhigen. Er hat gemerkt, daß wir bei unserem ersten Rufen angespannt waren. Den Grund dafür kennt er nicht - also heißt es vorsichtig sein, denn wir könnten auf ihn böse sein. Käme er dann schnell auf uns zugeschossen, dann könnte ein grantiger Chef dies als Angriffssignal werten. Also zeigt Fiffi so deutlich wie es nur geht, daß er in friedlicher Absicht kommt. Langsam mit vielen Schlenkern und Schnüffeln nähert er sich dem Chef. Doch dieser wird immer böser. Er braucht anscheinend noch mehr Zeit, sich abzuregen - auf keinen Fall will Fiffi selbst die Blitzableiter für seine schlechte Laune sein. Es wird gepieselt und ein Häufchen gelegt aber alles nützt nichts - der Chef wird immer wütender. Auf keinen Fall darf der Chef in irgendeiner Form auf die Idee kommen. daß Fiffi ihn provozieren will. Deshalb vermeidet Fiffi übertrieben deutlich den Blickkontakt indem er demonstrativ in die andere Richtung schaut. Und wenn auch dies nicht genügt um den Chef zu besänftigen, dann bringt Fiffi vorsichtshalber noch ein paar Meter mehr zwischen sich und den Big Boss.

Die Anzahl der dokumentierten Beruhigungssignale variiert (je nach Verhaltensforscher) zwischen 30 und 37. Ich bin allerdings davon überzeugt, daß es noch viel davon mehr gibt, da unsere Hunde auf winzige Veränderungen der Mimik oder der Körpersprache reagieren und sie auch als Kommunikationsmittel einsetzen. Solche Feinheiten können wir Menschen allerdings nicht erkennen

Die deutlichtsten Signale sind:

Für uns Menschen ist es relativ leicht, unsere Mitmenschen über unsere wahren Gefühle zu täuschen. Unserem Hund gegenüber gelingt uns das nicht. Winzige Anzeichen verraten ihm, daß wir vor Wut kochen obwohl wir äußerlich absolut ruhig wirken oder daß uns nach Weinen zumute ist obwohl wir nach außen hin lachen. Häufig werden dann Beruhigungssignale als Ungehorsam bewertet, weil sie unserer Meinung nach nicht nötig waren - wir hatten uns doch gut unter Kontrolle. Deshalb gilt: nicht nur den Hund genau beobachten sondern auch sich selbst kritisch unter die Lupe nehmen.