Hundehändler und Massenzüchter im Internet

Es gibt Händler, die handeln mit Hunden. Das ist dann aber kein Gewerbe, sondern eine kriminelle Tätigkeit, die aus nicht zu verstehenden Gründen gesetzlich nicht erfaßt wird."
Gert Haucke, Schauspieler und Hundebuchautor

Themenübersicht:

  1. Einleitung - Was unterdeidet Züchter von Hundevermehrern und Tierhändlern
  2. Was „offizielle“ Papiere und „Gütesiegel“ aussagen
  3. Wie agieren und wie tarnen sich Massenzüchter und Hundehändler
  4. Wie kann man seriöse und unseriöse Anbieter unterscheiden?
  5. Was jeder Tierfreund tun kann...

Was unterscheidet Züchter von Hundevermehrern und Tierhändlern?

Nicht nur Kinderpornoproduzenten, Pädophile und Rassisten haben das Internet für ihre Machenschaften entdeckt, sondern auch Tierhändler, Massenzüchter und gewissenlose Hundevermehrer gehen verstärkt "online" auf Kundenfang. Die "Qualifikation" dieser Personen besteht zumeist nur aus einem Gewerbeschein und einer Homepage. Ansonsten lockt der Ruf des schnellen Geldes und in der Anonymität des Netzes schwinden schnell auch letzte Skrupel. Wer dreißig, vierzig oder gar fünfzig Welpen auf seinen Webseiten anbietet, ist niemals ein Züchter mit "edlen" Motiven sondern beweist, daß er gnadenlos am Bedarf vorbei züchtet und auf Tiere keine Rücksicht nimmt.

Hundezüchter kann sich jeder nennen. Der Begriff ist juristisch nicht eindeutig genug definiert und beinhaltet keinerlei Aussage über etwaige Qualifikation der Person. Natürlich bezeichnet sich niemand selbst als Tierhändler, Welpenfabrikant, Massenzüchter oder Hundevervielfältiger, sondern diese Personen versuchen immer, sich als rechtschaffene Züchter und brave Bürger darzustellen. Mittels irreführender Angaben und verbaler Maskeraden wird versucht, dem Welpenkäufer Sand in die Augen zu streuen und die Arglosigkeit unerfahrener Hundefreunde auszunutzen.

Hundehändler und Massenzüchter gehen nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung vor. Hunderassen, die gerade in Mode sind und daher guten Absatz versprechen, werden von diesem Personenkreis bevorzugt "vervielfältigt". Zur Zeit sind dies vor allem: Beagle, Irish Setter, Dalmatiner, Bearded Collie, Parson Jack Russell Terrier, Golden Retriever und West Highland White Terrier. Letztlich vermehren Massenzüchter aber alle Rassehunde - kein Hund, mit dem sich Geld machen läßt, ist vor ihnen sicher. So werden Welpen in großer Zahl am Markt vorbei produziert, und wenn sich aus jedem Wurf nur zwei Welpen verkaufen lassen, ist der Händler bereits in der Gewinnzone.

Wo bleiben wohl die zahllosen Hunde, die keinen Käufer finden? In der Mülltonne oder "humaner": totgespritzt bei der Tierverwertung. Nicht wenige werden im Paket an Tierversuchslabore verscherbelt. Manchmal mit, meistens ohne behördlichen Erlaubnisschein.

Auch ein rechtschaffener Hundezüchter vermehrt Hunde. Aber nicht um seinen Reichtum zu mehren! Oder zumindest nicht nur. Fortentwicklung der Rasse, Erhaltung und Förderung erwünschter Eigenschaften, robuste Gesundheit, Widerstandskraft und natürliche Wesensentwicklung sollten die Ziele einer Hundezucht sein. Nicht die rücksichtslose "Produktion" von "Stückzahlen".

Besonders dreiste Vertreter dieser Branche schmücken sich gerne mit Attributen, die dem Tierfreund Seriosität und Sachkunde vorgaukeln sollen. Manche nennen sich gar "vom Gesetzgeber autorisierte Züchter" und wollen damit den Eindruck erwecken, sie hätten ein Recht zu ihrem schändlichen Tun. Leider eignet sich gerade das Internet hervorragend, mittels einer schönen Webseite, vielen guten Worten und langatmiger Beteuerungen, Tierfreunde über wahre Absichten, Motive und Methoden zu täuschen.

Jeder Welpenkäufer ist aufgerufen, sich nicht nur über den Zustand der Hunde, sondern auch über die Absichten und Motive des Züchters zu informieren. Die Rasse des Hundes spielt dabei keine Rolle - die Praktiken der Verbrecher gleichen sich, einerlei ob es um Teckel, Schäferhund, Owtscharka oder Beagle geht.

Was „offizielle“ Papiere und „Gütesiegel“ aussagen

Das Vorhandensein gültiger F.C.I., VDH oder sonstiger Papiere für die Welpen ist kein Qualitätssiegel und sagt nichts über die Methoden des Züchters, die Qualität der Zucht oder die Gesundheit der Hunde aus!

Es handelt sich hierbei lediglich um eine wertungsfreie Bestätigung des Verbandes über die Registrierung des Wurfes. Allerdings nur, wenn das Dokument echt ist!
Weder die Kopie der Ahnentafel ist ein Beweis noch sonstige kunstvoll hergestellte Urkunden. In einem aufschlußreichen Fernsehbericht, der aus dem Jahr 1998 datiert, haben die Reporter nachgewiesen, daß umtriebige Hundehändler aber auch Züchter des VDH, Hunde mit gefälschten Papieren in Umlauf bringen. Sogar der Ehrenpräsident eines deutschen Rassezuchtvereins wurde überführt, Welpen aus einer Hundefabrik mit gefälschten Papieren an ein Tierversuchslabor verkauft zu haben.

Keineswegs besser sieht es bei den Konkurrenten des VDH aus. In allen Vereinen und Verbänden tummeln sich einige Hundevermehrer, denen selbst elementare Kenntnisse kynologischer, biologischer und ethologischer Zusammenhänge fehlen und deren einzige Maxime darin besteht, möglichst schnell möglichst viel Geld zu kassieren.

Keinerlei Aussagekraft haben bunte Schildchen, auf denen "Anerkannte Zuchtstätte der Rasse XY" oder ähnliches steht. Die Schilder sind, Fanartikeln gleich, bei den Rassezuchtvereinen von jedermann käuflich zu erwerben. Viele unseriöse Anbieter versuchen daher, den Hundekäufer glauben zu machen, das Vorhandensein "offizieller" Papiere und einiger bunter Schildchen mache ihre "Zucht" über jeden Zweifel erhaben. Im Gegenteil! Desto lautstärker und aggressiver ein Züchter wirbt, desto verschwenderischer er mit Vokabeln wie "vom Gesetzgeber autorisierte Zuchtstätte", "tierschutzrechtlich anerkannt" oder "Qualitätszucht" umgeht, desto größer ist die Gefahr, einem der schwarzen Schafe der Branche in die Hände zu fallen.

Wie agieren und wie tarnen sich Massenzüchter und Hundehändler?

Die Liste der möglichen Verfehlungen eines "Züchters" ist wahrlich lang. Ist die Anzahl der Vorbestellungen größer als der Wurf der Zuchthündin, wird ein unseriöser Züchter dafür sorgen, daß jeder Kunde bedient werden kann. In solchen Fällen werden Welpen aus einer Hundefabrik zugekauft und dem Zuchtbuchführer stolz ein "zehner" Wurf gemeldet. Für alle Welpen werden dann bei der Wurfabnahme gültige Vereins- und Verbandspapiere ausgestellt. Andere melden nur jeden zweiten Wurf dem Zuchtbuchführer ihres Rassezuchtvereins, um nicht bekannt werden zu lassen, daß die Zuchthündin bei jeder Läufigkeit gedeckt wird. Diese Welpen werden dann ebenfalls mit gefälschten Papieren verkauft oder mit einem Preisnachlaß an den Mann/die Frau gebracht.

Viele "Züchter", die mit Hundehändlern zusammenarbeiten oder selbst eher Händler als Züchter sind, versuchen das gesunde Mißtrauen des Welpenkäufers zu betäuben, indem Sie großherzig die Einladung aussprechen, den "Zuchtbetrieb" zu besuchen und in Augenschein zu nehmen. Einer, der so freimütig zu einer Besichtigungstour einlädt, kann doch unmöglich etwas zu verbergen haben, oder? In Wirklichkeit sagen solche Einladungen nichts aus, denn jeder gewiefte Massenzüchter hat mindestens zwei Orte, an denen er Hunde vermehrt bzw. "zwischenlagert". Ein Ort dient zum Vorzeigen bei Tierschutzverein, Amtstierarzt, Finanzamt und argwöhnischen Interessenten - am zweiten werden - in aller Verschwiegenheit - Hunde unter nicht vorzeigbaren Bedingungen vermehrt und gehalten.

Sogenannte Hundehändler schmuggeln ganze Würfe über die Grenze nach Deutschland und gegen diese Hunde mit gefälschten Papieren weiter. Genauso falsch wie die Abstammungsnachweise sind in solchen Fällen die Impfpässe. Auf dem schwarzen Markt sind Blanko-Impfbücher mit Stempel und Unterschrift eines Tierarztes für fünf bis sieben Mark erhältlich. Nicht eben selten erkranken die Welpen aufgrund des fehlenden Impfschutzes an Parvovirose und gehen jämmerlich zugrunde.

Züchtern, die verantwortungslos mit dem Lebewesen Hund umgehen, muss der Tierfreund die wirtschaftliche Lage entziehen. Kaufen Sie daher niemals einen Hund, wenn berechtigte Zweifel an der Integrität oder der Tierliebe des Züchters bestehen.

Wie kann man seriöse und unseriöse Anbieter unterscheiden?
Tips für den Welpenkauf


Eine günstige Voraussetzung für den Hundekauf ist gegeben, wenn der Tierfreund in keiner Hinsicht unter Zeitdruck steht. So wird er in die Lage versetzt, bereits geraume Zeit vor der Anschaffung eines Hundes verschiedene Züchter zu besuchen und dort einen Wurf zu begutachten. Im Gespräch kann er sich ein Bild von der Person des Züchters und seinen Motiven machen. Da der Eindruck, den Menschen auf uns machen, sehr subjektiv ist, habe ich die objektiven Kriterien tabellarisch zusammengestellt und überlasse den Rest Ihrer Menschenkenntnis.

Faktoren die eine gute Zucht kennzeichnen:

Faktoren die auf fragwürdige Umstände hinweisen:

Wird von einer Zuchtstätte auch nur eines der negativen Kriterien erfüllt, rate ich Ihnen dringlich, die Verhältnisse dieser Zucht doppelt und dreifach zu überprüfen und im Zweifelsfall einen anderen Züchter aufzusuchen. Fragen Sie gegebenenfalls bei dem zuständigen Rassehundeverein nach einer Liste der eingetragenen Züchter. Die schwarzen Schafe der Branche sind den Zuchtvereinen wohlbekannt, und diese Adressen werden üblicherweise nicht an Interessenten weitergegeben. Die Zuchtvereine unterhalten zumeist eine Welpenvermittlung, bei der Sie Informationen über alle von seriösen Züchtern gemeldeten Würfe erhalten können. Aber selbst dieses Verfahren bietet keine Garantien und eine umfangreiche in Prüfung des Zuchtbetriebes durch den Welpenkäufer ist unerläßlich!

Hüten Sie sich vor Schnäppchen! Unseriöse Züchter werden versuchen, potentielle Käufer notfalls mit einem "günstigen" Angebot zu locken. Zeitgenossen, die alle Vorsicht fahren lassen, wenn die Aussicht besteht, ein vermeintlich gutes Geschäft zu machen, sind besonders gefährdet einem der schwarzen Schafe der Branche aufzusitzen. Kein seriöser Züchter kann ein Interesse daran haben, den Marktpreis für seine Rasse zu verderben, indem er überzählige Welpen zum Angebotspreis verschleudert.

Das Wichtigste zum Schluß: Lassen Sie Ihren gesunden Menschenverstand walten!

Was jeder Tierfreund tun kann:

Natürlich das Selbstverständliche - seine Meinung sagen!

Lautstark, nachdrücklich und unmißverständlich. Im Internet, im Freundeskreis, im Hundeverein, bei Kollegen und überall, wo das Thema Hundekauf zur Debatte steht.

Das Wichtigste für die üblen Geschäftemacher der Hundebranche ist der ungestörte, möglichst lautlose Geschäftsbetrieb. Dies gilt auch oder sogar vor allem hier im Internet. Es sollte das Anliegen jedes Hundefreundes, Tierschützers und rechtschaffenen Züchters sein, den kriminellen Elementen soviel Sand wie legalerweise nur irgend möglich ins Getriebe zu schütten.

Jede Email an einen Hundehändler hilft, und sei es nur deshalb, weil sie ihn Zeit kostet. Downloadzeit, Lesezeit und Zeit zum Abregen.

Machen Sie Ihrem Ärger Luft - Schweigen hilft den Tätern, nicht den Opfern!-

Je mehr ein Hundehändler unter öffentlichen Druck gerät, desto mehr Zeit muß er aufwenden, um seinen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und desto weniger Hunde kann er vermehren.

Oder frei nach Markwort: "Druck, Druck, Druck und immer an die Hunde denken!"

Thomas Schoke


Ich danke Herrn Schoke für seine Erlaubnis, seinenText auf meine HP zu übernehmen.
Mehr von Thomas Schoke findet Ihr auf seiner sehr empfehlenswerten HP
http://www.owtscharka.de