Mein Name ist Dr. Manfred Weichert, ich bin Tierarzt und 1. Vorsitzender des Deutschen Hundeschutzbundes e. V.

Wie immer bei solchen Veranstaltungen, frage ich mich, wie ich Sie anreden soll!
"Liebe Kriminelle" ? Ich denke nicht!
"Liebe Zuhälter" ? Auch nicht zutreffend!
"Liebe Asoziale" ? Auch nicht gut!
"Freunde des Rechts" hat ein Redner einmal gesagt. "Entrechtete" wäre da doch besser.

Also habe ich mir folgendes überlegt: da ich immer häufiger nachts, so nach 23.00 Uhr, Hundehalter gewisser Rassen beim Gassigehen treffe (Gassi - Schleichen, ist wohl der bessere Ausdruck), nenne ich Sie am besten "Freunde der Nacht". Na ja, bei Regen geht's auch ganz gut.

Erstmals in meinem Leben freue ich mich über schlechtes Wetter! Aber "Freunde des Regens" kling nicht gut! Also Freunde der Nacht: Im Anschluss an diesen Trauermarsch möchte ich Ihnen mitteilen, was mich als Tierarzt zu Trauer veranlasst:

Es stimmt mich traurig, dass in Deutschland Hunderassen diskriminiert und ausgerottet werden sollen, obwohl JEDE BEISSSTATISTIK und JEDE WISSENSCHAFTLICHE UNTERSUCHUNG verdeutlicht, dass diese Hunde nicht gefährlicher sind als andere. Im Gegenteil. Der Tierärztetag hat festgestellt, dass die Kollegen überwiegend positive Erfahrungen mit den diskriminierten Hunderassen machen. Es liegen mehrere Gutachten von führenden Verhaltensforschern vor, die alle belegen: es gibt keine a priori gefährlichen Rassen, sondern nur gefährliche Halter.

Es stimmt mich traurig, dass die Medienhetze um bestimmte Hunde diese natürlich für unseriöse Menschen sehr attraktiv gemacht hat. Aber ist es Schuld der Tiere, dass sie vorzugsweise missbraucht werden? Alle wissenschaftlichen Gutachten kommen zu dem Schluss, dass das Problem ausschließlich am oberen Ende der Leine zu finden ist.
Es ist traurig, dass Politiker wider besseres Wissen unter dem Druck der Boulevardpresse und aus demagogischen Gründen Verordnungen erlassen

Es stimmt mich traurig, dass Tiere durch diese Verordnungen sinnlos gequält werden. Permanenter Leinenzwang ist Tierquälerei! Kann eine Landes-Verordnung gegen ein Bundes-Gesetz verstoßen? Freunde der Nacht, ich weiß es nicht!
Es ist traurig, dass Familien in Angst und Schrecken versetzt werden.

Es ist traurig, dass keiner der Verordnungsmacher auf uns Tierärzte hört, denn der DEUTSCHE HUNDESCHUTZBUND e. V., der BUNDESVERBAND PRAKTISCHER TIERÄRZTE, die TIERÄRZTEKAMMERN und DIE KRITISCHEN TIERÄRZTE (Verbände, denen ich nebenbei allen angehöre) und alle anderen Hundfachleute haben mehrfach UNGEHÖRT ihre Hilfe angeboten, um sinnvollen Menschen- und Tierschutz zu ermöglichen. Wollen unsere Politiker keine Argumente hören?
Und all diese Fachleute sind einhellig der Meinung: diese Verordnungen, die sich einzig und alleine durch mangelnde Sachkenntnis auszeichnen, gehen vollkommen am Problem vorbei.

Liebe Politiker: WER VON HUNDEHALTERN EINE SACHKENNTNISPRÜFUNG VERLANGT, SOLL DOCH BITTE ERST EINMAL SELBST KOMPETENZ BEWEISEN!!!
Es ist traurig, dass in Buchen im Odenwald ein Boxer eine Frau lebensgefährlich verletzt, und nun die Gemeinde als Konsequenz daraus über die Einführung der Kampfhundesteuer nachdenkt.

Es ist traurig, dass in Heidelberg ein Bernhardiner schon mehrere Menschen verletzt und einen Hund getötet hat, und der Polizeisprecher meint, das sei ja nur ein bedauerlicher Unfall, hätte aber mit dem Kampfhundeproblem nichts zu tun.

Es ist traurig, wenn ein Deutscher Bundeskanzler öffentlich von sich gibt, er wolle die Zahl dieser schmerzunempfindlichen Beißmaschinen auf Null reduzieren. Auf Null reduzieren! Freunde der Nacht, lasst euch das auf der Zunge zergehen: Auf null reduzieren. jeder sollte sich seinen Teil dabei denken! Lieber Herr Bundeskanzler Schröder, als Tierarzt kann ich Ihnen versichern: diese Hunde fühlen Schmerzen genau so wie jedes andere Lebewesen auch! Und wenn wir gerade dabei sind: die angebliche Beißkraft von 2 Tonnen (in einer Pressemitteilung der SPD heißt es wörtlich, "wer braucht schon ein Schmusetier mit 2 Tonnen Beißkraft")! Also, der menschliche Oberarmknochen bricht bei einer Biege-Belastung von ca. 160 kg. Der Unterkieferknochen z.B. eines American Staffordshire Terriers ist ungefähr nur ein Viertel so stark wie der menschliche Oberarm. 2 Tonnen? Wie denn? Glaubt die SPD auch noch an den Osterhasen, oder an King Kong

Und nun mein erneuter Aufruf an alle Politiker: Der Deutsche Hundeschutzbund e. V., wir Tierärzte, der VDH, der Kynologenverband, die führenden Verhaltensforscher, alle sind wir bereit und in der Lage, ausgereifte Konzepte und unsere Mitarbeit zur Erstellung wirkungs- und sinnvoller Gesetze anzubieten. Denn Menschen- und Tierschutz geht Hand in Hand.

Sinnvolle Maßnahmen wären:

  1. Keine Rassenlisten
  2. Einführung eines Hundeführerscheins
  3. Halterüberprüfung
  4. Kennzeichnungspflicht
  5. Eine Art Flensburgsystem für Hundehalter (Der DHSB ist in der Lage, dieses System anzubieten und zu verwalten)
  6. Kontrollierte Zucht (auch das kann der DHSB anhand seiner Datenbanken gewährleisten)
  7. Versicherungspflicht
  8. So etwas wie "Begleithundeprüfungspflicht"
  9. Leinenzwang nur in Stadtgebieten

Die diskriminierten Hunderassen als Sündenbock anzuprangern hat allein demagogische und populistische Gründe, was 6 Millionen Hundehalter bei den nächsten Wahlen auch quittieren werden. Nebenbei finde ich es bedenklich, wenn in einem Rechtsstaat rechtswidrige Verordnungen ohne Konsequenzen für die Verursacher erlassen werden können. Was ist in Hessen, wo eine Hundeverordnung, als die ersten Klagen liefen viermal innerhalb von acht Wochen nachgebessert, und nun doch per einstweiliger Anordnung gestoppt wurde? Muss sich der hessische Innenminister, Herr Bouffier, nun dafür verantworten?

Das alles sieht man auch im Ausland mit wachsender Aufmerksamkeit. In England gab es vor wenigen Wochen die Schlagzeile: DOG HOLOCAUST IN GERMANY und in der Washington Post war zu lesen: Hunde als Sündenböcke für soziale Probleme.

Abschließend möchte ich alle Verantwortlichen auffordern, mit Verstand an die Sache heranzugehen. Bitte nehmen Sie mich beim Wort. Wir, der DHSB und die Tierärzteschaft bringen unseren Sachverstand gerne mit ein, wenn es darum geht, wirkliche Problemlösungen zu erarbeiten.

Dass nicht alle Politiker in blinden Aktionismus verfallen sind, das wird uns jetzt Herr Marcus Dannfeld von der FDP beweisen, dessen Partei sich Gedanken über die Problematik mit beißenden Hunden gemacht hat. Was dabei heraus gekommen ist, meine lieben Freunde der Nacht, wird Herr Dannfeld nun vortragen.

Vielen Dank


Diesen Text habe ich unter http://www.hundesite.com gefunden.


Leider ist es mir noch nicht gelungen, eine Kontaktadresse von Herrn Dr. Manfred Weichert zu erhalten.
Ich möchte kein Copyright verletzen und werde beim ersten Hinweis darauf den Text sofort wieder entfernen.