Zur Frage der besonderen Gefährlichkeit von Hunden auf Grund der Zugehörigkeit zu bestimmten Rassen


LITERATURÜBERSICHT

phänotypische Merkmalsbildung

Die individuelle phänotypische Merkmalsbildung erfolgt auf der Basis von Wechselwirkungen zwischen Genotyp und Umwelt. Die Heritabilität ist ein Maß für den Anteil, den der Genotyp an der phänotypischen Merkmalsausprägung ausmacht. Merkmale mit niedriger Heritabilität werden durch Umwelteinflüsse stark modifiziert und lassen sich züchterisch nur in geringem Ausmaß bearbeiten, Merkmale mit hoher Heritabilität sind durch Umwelteinflüsse nur geringfügig zu verändern und lassen sich im allgemeinen züchterisch gut bearbeiten (SCHLEGER und STUR, 1986). Die züchterische Problematik von niedrig heritablen Merkmalen liegt unter anderem darin, daß einerseits die Beurteilung des Genotyps beim Einzeltier und andererseits die Erfassung der genetischen Varianz in einer Zuchtpopulation, die die Voraussetzung für die Selektion ist, nur unter streng standardisierten Umweltbedingungen möglich ist. Da bei Hunden die übliche Haltungsform die indviduelle Einzelhaltung darstellt, kann man ganz allgemein nicht davon ausgehen, daß die für die genetische Beurteilung eines Einzeltieres bzw. für die Erfassung der genetischen Varianz als Voraussetzung für effektive Selektionsmaßnahmen bei niedrig heritablen Merkmalen notwendige Standardisierbarkeit der Umwelt gegeben ist.


Rassebegriff

Eine Rasse ist eine Gruppe von Individuen innerhalb einer Art, die sich in bestimmten Merkmalen von anderen Individuengruppen unterscheiden und diese Merkmalsvariationen vererben (WIESNER und RIBBECK, 1978)). Die häufigsten Erscheinungsbilder innerhalb der Rasse stellen die Norm, „den Rassestandard“, dar (COMBERG, 1971). Zwischen den Rassen herrscht im allgemeinen eine diskontinuierliche Variation in Bezug auf die rassebestimmenden Merkmale das heißt, daß Tiere mit extremen Merkmalswerten einer Rasse immer noch außerhalb der Normvariation einer anderen Rasse liegen.

Innerhalb jeder Rasse liegt für alle Merkmale eine genetische bzw. phänotypische Varianz vor, deren Ausmaß für jedes Merkmal unterschiedlich ist und die von der Populationsgröße, vom Inzuchtniveau der Population und vom Selektionsdruck, dem jedes Merkmal ausgesetzt ist, abhängt.

Domestikation und Rassenbildung

Infolge der Domestikation kommt es zu einer Änderung des Selektionsdrucks von der natürlichen Selektion, der die Wildpopulation ausgesetzt ist, zur künstlichen Selektion durch den Menschen. Entsprechend den unterschiedlichen Interessen, die der Mensch an den Haustieren hat, kommt es zum Entstehen verschiedener Rassen.


Rasseentstehung beim Hund

Abgesehen von geographisch bedingten Unterschieden in Bezug auf Fellfarbe und Fellänge, Knochenbau oder Ohrenform, die allenfalls auch bereits bewußt züchterisch bevorzugt wurden, entstanden die ersten Hunderassen als Folge der Selektion auf bestimmte Verwendungsmöglichkeiten (ZIMEN, 1992). In erster Linie nutzte der Mensch wohl den Kampf und Schutztrieb des Hundes. Daraus entstanden die ersten Hütehunde, die die Herden gegen den Angriff von Wölfen oder Kojoten beschützten (FINGER, 1988), die ersten Jagdhunde, die u.a. für die Jagd auf wehrhaftes Wild eingesetzt wurden, die ersten Hofhunde zur Bewachung der menschlichen Siedlungen und später die Kriegshunde, die als lebende Waffen mit in den Krieg zogen (ZIMEN, 1992). Rassestandards im heutigen Sinn gab es in den Anfängen der Hundezucht sicher keine, die Selektion erfolgte auf halbnatürlicher Basis, zur Fortpflanzung kamen die Hunde, die für den jeweiligen Verwendungszweck am besten geeignet waren. Da für alle genannten Nutzungen große, kräftige und mutige Hunde die besten Voraussetzungen boten, werden sich wohl die ersten rasseähnlichen Fortpflanzungsgemeinschaften des Hundes weder in Bezug auf ihr Exterieur noch in Bezug auf ihren Charakter wesentlich voneinander unterschieden haben.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich an den Hauptverwendungsmöglichkeiten des Hundes nichts wesentliches geändert, spezialisiertere Zuchtrichtungen ergaben sich einerseits im Bereich der Jagdhundezucht sowie allenfalls aus speziellen Freizeitvergnügungen, die sich in England gegen Ende des 16. Jhdt. etablierten. Windhunderennen und Kämpfe von Hunden ge­gen Bullen führten zur Zucht für diese "Sportarten" besonders geeigneter Hunde, wobei für die Verwendung als Kampfhund Eigenschaften genutzt wurden, die auch für den ursprünglichen Verwendungszweck der eingesetzten Hunde als Jagd Wach und Schutzhunde wichtig waren. Ursprünglich dem Adel vorbehalten wurden vor allem die Bullenkämpfe bald zum Volksvergnügen. Später kämpften Hunde aus praktischen Erwägungen (Bullenbeschaffung war zu teuer) gegeneinander bzw. nachdem 1835 die Hundekämpfe vom Parlament verboten wurden auch gegen Ratten (SEMENCIC, 1984).

Rassehundezucht im modernen Sinn gibt es etwa seit Mitte des 19. Jhdt. 1859 fand in England die erste Hundeausstellung statt. Mit Gründung des British Kennel Clubs 1873 wurden die Rahmenbedingungen für Rassezugehörigkeit, Zucht und Ausstellungsgeschehen festgelegt (ZIMEN, 1992).


Rassehundezucht heute

Die Zuchtziele in der heutigen Hundezucht betreffen im Wesentlichen das rassetypische, in den von der Federation cynologique international (FCI) anerkannten Standards definierte, Exterieur. In manchen Rassen wird als Zuchtvoraussetzung Freiheit von bestimmten Erbfehlern, z.B. Hüftgelenksdysplasie, verlangt und bei manchen Rassen (Jagdhunde, Gebrauchshunde) werden Gebrauchsleistungsprüfungen für Zuchttiere gefordert

Als internationaler Dachverband ist die FCI weltweit die bedeutendste züchterische Institution in der Hundezucht. In jedem Land wird von der FCI ein nationaler Zuchtverband anerkannt, in Österreich der Österreichische Kynologenverband (ÖKV). Die FCI ist für die Anerkennung von Rassen und Rassestandards zuständig, wobei der Standard der einzelnen Rassen von dem jeweiligen Ursprungsland der Rasse erstellt wird. In den Rassestandards sind die äußeren Merkmale sowie allenfalls Hinweise auf erwünschte Wesensmerkmale der jeweiligen Rasse vorgegeben.

Der ÖKV erstellt auf nationaler Ebene eine Rahmenzuchtordnung in der die Mindestanforderungen für die Zuchtzulassung festgelegt sind. Von den einzelnen Rassezuchtverbänden kann diese Rahmenzuchtordnung nur im Sinne einer Verschärfung der Zuchtvoraussetzungen modifiziert werden.


GEBRAUCHSPRÜFUNGEN ALS SELEKTIONSGRUNDLAGE

Bei Rassen, die auf der Basis von Gebrauchsprüfungen selektiert werden, müssen nicht notwendigerweise aggressionsfördernde Gene züchterisch bevorzugt werden. Bei der Schutzarbeit wird auf dem Beutetrieb und auf Spielverhalten aufgebaut. Der Hetzärmel ist für den Hund nur Beute, die ihm vom Scheintäter streitig gemacht wird (BECHTOLD, 1985; SWAROVSKI et al., 1986). Dieser Zusammenhang wird auch durch Ergebnisse einer Untersuchung von HRUBY (1991) bestätigt, die in einer Untersuchung an 1119 Hunden, die Gebrauchsprüfungen absolviert hatten, eine signifikante Korrelation zwischen den Schutzarbeitsfächern "Kampftrieb", "Überfall" und "Mutprobe" und dem Unterordnungsfach "Bringen", das vor allem auf Beutetrieb und Apportierfreude beruht, fand. In dieser Untersuchung wurden außerdem signifikante Korrelationen zwischen den in der Schutzarbeit erzielten Punkten und den Punkten in der Unterordnung gefunden, was einerseits die Leistung in der Schutzarbeit als zu einem großen Teil trainierbare Leistung ausweist, und anderseits die Bedeutung unterstreicht, die dem Gehorsam und der Bereitschaft zur Unterordnung bei der Ausbildung des Schutzhundes und damit auch bei der Zuchtwahl zukommt. Durch diese Ergebnisse wird auch die Meinung von FEDDERSENPETERSEN (1992b) und REHAGE (1992) unterstützt, die als besonders gefährlich jene Hunde bezeichnen, die im Rahmen einer Schutzausbildung zu aggressivem Verhalten ermutigt werden, bei denen die Ausbildung dann aber abgebrochen wird und die dadurch nicht ausreichend auf Unterordnung trainiert werden.


Identifikationsmöglichkeiten

Identifikationsmöglichkeiten beim Einzeltier sind auf der Basis von angeborenen oder erworbenen Abzeichen möglich, wobei aber die Möglichkeit von Verfälschungen und Irrtümern nie auszuschließen ist. Eindeutige Identifikation ist möglich auf der Basis der Bestimmung von Blutgruppen bzw. polymorphen Protein und Enzymsystemen (SCHLEGER und STUR, 1986), auf der Basis von DNA Fingerprints (Jeffreys and Morton, 1987; GEORGES et al., 1988) sowie mittels Microchipidentifizierung (N.N., 1993).

Auf der Basis von Blutgruppen, polymorphen Protein und Enzymsystemen sowie DNAFingerprints bzw. caninen Microsatelliten ist auch bei einem Einzelhund die Überprüfung der angegebenen Abstam­mung von zwei bestimmten Eltentieren möglich (MORTON et al. 1987; Binns et al., 1995; FREDHOLM and WINTERO, 1996; ZAJC and SAMPSON, 1996; )

Die Identifizierung einer bestimmten Rassezugehörigkeit ist allerdings nur auf der Basis äußerer Merkmale möglich, die zwar in den Rassestandards definiert sind, im Einzelfall aber die zweifelsfreie Zuordnung eines Hundes zu einer bestimmten Rasse nur bedingt ermöglichen.

Über canine DNAMarker lassen sich zwar genealogische Studien über die genetische Distanz zwischen Rassen oder Populationen durchführen (FREDHOLM and WINTERO, 1995; OKUMURA et al., 1996; PIHKANEN et al., 1996; ZAJC et al., 1997) eine Zuordnung eines Einzelhundes zu einer bestimmten Rasse oder die Feststellung der Abstammung eines Mischlings von bestimmten Rassen auf der Basis caniner Marker ist nach aktuellem Wissensstand nicht möglich (TEMPLETON, 1990).


Kurze Übersicht über Geschichte und Entwicklung einzelner inkriminierter Rassen

1) Mastiff (SCHMIDT, 1990): molossoide, mastiffähnliche Hunde findet man bereits in sehr frühen Kulturen. Eine Terrakottatafel assyrischen Ursprungs aus dem 7.Jhdt. v. Chr. zeigt einen Mann, dessen Hand auf dem Rücken eines Hundes von enormer Größe und eindeutig im molossoiden Typ ruht. Aus archäologischen Funden, Darstellungen und Plastiken läßt sich auf den Verwendungszweck der mastiffähnlichen Hunde der vorchristlichen Zeit schließen. Sie wurden offensichtlich als Wachhunde und Kriegshunde und als Jagdhunde für wehrhaftes Wild genutzt. Im antiken Rom wurden solche Hunde für Gladiatorenkämpfe und für Kämpfe gegen wilde Tiere, wie Bären oder Löwen eingesetzt. Auch in der nachchristlichen Zeit wurden mastiffähnliche Hunde vor allen im angelsächsischen Raum vorwiegend als Wach und Schutz­hunde sowie als Kriegshunde verwendet. Allerdings wurden sie auch in England für Schau­kämpfe gegen Löwen und Bären genutzt. Geregelte Pedigreezucht gibt es beim Mastiff allerdings erst seit der Gründung des OEMC (Old English Mastiff Club) im Jahr 1883.

Der erste und der zweite Weltkrieg stellten für die Rasse einen populationsgenetischen Fla­schenhals dar, so daß durch Einkreuzungen von Bernhardinern und Bullmastiffs die Population größenmäßig erweitert wurde.

Mastiffzucht heute: Vom heutigen Mastiff wird neben den detaillierten Exterieurstandardvorschriften folgendes verlangt (FCI Standard):

Charakterisitsche Merkmale: groß, massiv, kraftvoll, ebenmäßig, gut gebauter Körper. Eine Kombination von Erhabenheit und Mut.

Wesen: Ruhig, liebevoll seinem Besitzer gegenüber, aber fähig, diesen zu schützen.

Mastiffzucht in Österreich: Mastiffs werden in Österreich im Rahmen des MolosserClubAustria im ÖKV gezüchtet.

Grundsätzliche Voraussetzung für die Zuchtverwendung (MolosserClubAustria) sind Gesundheit, altersmäßige Entwicklung und ein rassetypisches Wesen und Aussehen.

Als zuchtausschließende Erbfehler gelten neben Exterieurfehlern und schwerer Hüftgelenks­dysplasie (HD)

2) Bullterrier (Schleger, 1983): Stammvater des Bullterriers war der Mastiff, aus dem Anfang des 17. Jhdt. der Bull dog gezüchtet wurde. Er war kleiner und leichter als der Mastiff und wurde für Bullenkämpfe eingesetzt. Um für reine Hundekäpfe (Kampf Hund gegen Hund) wendigere und schnellere Hunde mit Bereitschaft zur Unterordnung zu züchten, wurden Ende des 18. Jhdt. in den Bull Dog Terrier eingekreuzt. 1835 wurde der Tierkampf in England offi­ziell verboten; inoffiziell dauerten die Hundekämpfe aber weiter an. Der Selektionsdruck beim ursprünglichen Bullterrier ergab sich aus dem Verwendungszweck. Zur Zucht kamen nur Hunde, die sich im Kampf bewährt hatten, d.h. ihre Kämpfe überlebt hatten. Besonderer Wert wurde aber immer auf die Bereitschaft zur Unterordnung gelegt, da es einerseits möglich sein mußte, die Hunde nach den einzelnen Kampfrunden zu trennen andererseits sich die Aggression des Hundes nicht gegen den Besitzer richten sollte.

Bullterrierzucht heute: Vom heutigen Bullterrier wird neben detaillierten Exterieurstandard­vorschriften folgendes verlangt (FCI Standard):

Allgemeine Erscheinung: Der Bullterrier muß kräftig, symmetrisch muskulös und beweglich gebaut sein. Sein Ausdruck ist lebhaft und intelligent; er soll Mut verbunden mit einem ausge­glichenen Wesen und der Bereitschaft zur Unterordnung zeigen.

Bullterrierzucht in Österreich: Bullterrier werden in Österreich im Rahmen des Österreichi­schen BullterrierClub im ÖKV gezüchtet.

Zuchtvoraussetzungen sind (Österreichischer BullterrierClub, 1979):

Gesundheit, einwandfreies Gebäude, genügend starke Knochen

Ausstellungsbewertungen bei Rüden mindestens zwei "Vorzüglich" auf internationalen Ausstellungen, bei Hündinnen zwei "Sehr gut" bzw. ein "Vorzüglich" auf internationalen Ausstellungen

3) Mastino Napoletano (Weisse, 1990): Der Ursprung des Mastino Napoletano lag in den mittelalterlichen Packerhunden Italiens, die ähnlich wie der Mastiff und der Bulldog in Eng­land, der Saupacker in Deutschland, der Dogue de Bordeaux in Frankreich zur Jagd auf wehr­haftes Wild eingesetzt wurden. Die eigentliche Rassegründung des Mastino Napoletano erfolgte im Jahr 1949 mit der Anerkennung des Rassestandards.

Mastino Napoletanozucht heute: Vom Mastino Napoletano wird neben detaillierten Exterieurstandardbestimmungen folgendes verlangt (FCI Standard):

Allgemeine, rassetypische Merkmale: Der Mastino Napoletano ist der Wach und Schutzhund par excellence. Er ist enorm wuchtig, starkknochig, kraftvoll, von derbem und gleichzeitig majestätischem Aussehen, robust und mutig, sein Ausdruck ist intelligent, das Wesen ausge­glichen, gehorsam und nicht aggressiv; als Verteidiger von Personen und Besitz unübertroffen.

Mastino Napoletanozucht in Österreich: Der Mastino Napoletano wird in Österreich im Rahmen des MolosserClubAustria im ÖKV gezüchtet.

Grundsätzliche Voraussetzung für die Zuchtverwendung (MolosserClubAustria) sind Gesundheit, altersmäßige Entwicklung und ein rassetypisches Wesen und Aussehen.

Als zuchtausschließende Erbfehler gelten neben Exterieurfehlern und schwerer Hüftgelenksdysplasie

4) Fila Brasileiro (DASER, 1990): Die molossoiden Hunde Südeuropas sind als die Stamm­väter des Fila Brasileiro anzusehen. Diese Hunde begleiteten die Einwanderer nach Brasilien wo sie ähnlich wie in der ursprünglichen Heimat zunächst vor allem zu Jagdzwecken genutzt wurden. Außerdem dienten sie dem Schutz der Haziendas und der Bewachung der Sklaven. Flüchtige Sklaven sollten durch die Hunde gesucht und gestellt, keinesfalls aber verletzt wer­den, da der Verlust eines Sklaven als wirtschaftlicher Verlust angesehen wurde. Im Lauf der Zeit wurden verschiedene Rassen in die ursprünglichen mastiffähnlichen Hunde Brasiliens eingekreuzt wie Bulldoggen und Bluthunde, aber auch Foxhounds, Greyhounds und Pointer.

Fila Brasileirozucht heute: Vom Fila Brasileiro wird neben detaillierten Exterieurstandardbestimmungen folgendes verlangt (FCI Standard): Ein bedeutender Teil seiner Charakteristika sind Mut, Entschlossenheit und herausragende Tapferkeit. Er ist seinem Besitzer und dessen Familie gegenüber fügsam und Kindern gegenüber äußerst tolerant. Seine Treue wurde in Brasilien sprichwörtlich. Er sucht immer die Gesellschaft seines Herren. Einer seiner Wesens­züge ist sein Mißtrauen Fremden gegenüber. Er ist von Haus aus ruhig, sein Selbstbewußtsein und sein Selbstvertrauen werden weder durch unbekannte Geräusche noch durch eine neue Umgebung erschüttert. Er ist als Wachhund unübertroffen, vom Instinkt her ein Jagdhund für Großwild und ein Hütehund für Rinderherden.

Fila Brasileirozucht in Österreich: Der Fila Brasileiro wird in Österreich im Rahmen des MolosserClubAustria im ÖKV gezüchtet.

Grundsätzliche Voraussetzung für die Zuchtverwendung (MolosserClubAustria) sind Gesundheit, altersmäßige Entwicklung und ein rassetypisches Wesen und Aussehen.

Als zuchtausschließende Erbfehler gelten neben Exterieurfehlern und schwerer Hüftgelenksdysplasie :

5) BordeauxDogge (PUFAHL, 1990): Die Bordeauxdogge ist der direkte Nachfahre einer der zahlreichen Doggenarten, die seit sehr langer Zeit in Frankreich existieren. Sie wurden als Packhunde für Großwild, Kriegshunde, in der Arena, zum Schutz von Viehherden oder als Metzgerhunde eingesetzt. Der erste Rassestandard wurde 1896 veröffentlicht.

Bordeauxdoggenzucht heute: Von der Bordeauxdogge wird neben detaillierten Exte­rieurstandardbestimmungen folgendes verlangt (FCI Standard): Gesamterscheinung: Die Bordeauxdogge ist ein außergewöhnlich kräftig gebauter Koloß mit einem sehr muskulösen, insgesamt harmonischen Körperbau. Sie bietet den Anblick eines Respekt einflößenden, untersetzten, muskulösen, imposanten und stolzen Athleten. Ehemals Kampfhund findet sie heute als Wachhund Verwendung, eine Aufgabe, die sie mit Aufmerk­samkeit und großem Mut, jedoch ohne Aggressivität erfüllt. Sie hängt sehr an ihrem Herrn und ist Kindern gegenüber sehr liebevoll.

Bordeauxdoggenzucht in Österreich: Die Bordeauxdogge wird in Österreich im Rahmen des MolosserClubAustria im ÖKV gezüchtet. Grundsätzliche Voraussetzung für die Zuchtverwendung (MolosserClubAustria) sind Gesundheit, altersmäßige Entwicklung und ein rassetypisches Wesen und Aussehen.

Als zuchtausschließende Erbfehler gelten neben Exterieurfehlern und schwerer Hüftgelenksdysplasie

6) Dogo Argentino (SCHIMPF, 1992): Der Ursprung des Dogo Argentino lag wahrscheinlich im spanischen Alano, einem Hund, der im Zuge der germanischen Völkerwanderung etwa 400 n. Chr. von den Alanen nach Spanien gebracht wurden. Diese Hunde entsprachen im Typ einem doggenartigen Packer und Hetzhund. Im Zuge der Kolonialisierung wurden diese Hunde nach Südamerika gebracht unter anderem auch zum Zwecke der Unterstützung der Spanier bei der Kolonialisierung Südamerikas. Durch Leistungsselektion entwickelte sich eine Hunderasse mit unübertroffenem Kampftrieb, die weitgehend schmerzunempfindlich und widerstandsfähig bis zur Selbstaufopferung war. Engländer, die zum Bau des Eisenbahnnetzes nach Argentinien kamen, brachten Bullterrier mit, um sich bei Hundekämpfen von ihrem Heimweh abzulenken. Dadurch wurden einerseits Bullterrier in die lokale Hunderasse eingekreuzt, anderseits Hundekämpfe als Volkssport etabliert. Etwa 1920 wurden Hundekämpfe gesetzlich verboten. Um die Rasse des Dogo Argentino zu erhalten, wurde beschlossen auf der Basis der alten Kampfhunde eine neue Rasse zu begründen, die vor allem in der Jagd auf wehrhaftes Wild wie Wildschwein und Puma einzusetzen ist. Zur Verbesserung der Jagdeigenschaften wurden in den Fünfzigerjahren Hunde verschiedener Rassen eingekreuzt wie Pointer, Deutsche Doggen, Bullterrier, Bordeauxdogge, Boxer, Irish Wolfhound.

1947 wurde das Zuchtziel festgelegt: ein stumm jagender Hund mit hoher ausdauernder Nase, kampftriebstark wegen des wehrhaften Wildes (Wildschwein, Puma) aber kein Raufer, da er mit anderen Hunden zusammenarbeiten muß. Von weißer Farbe, damit er sich von seinen Geg­nern besser abhebt. Klein genug um im dichten Bewuchs arbeiten zu können, aber groß genug um schnell und stark zu sein.

Dogo Argentinozucht heute: Vom Dogo Argentino werden neben detaillierten Exterieurstandardbestimmungen keine weiteren allgemeinen Merkmale verlangt (FCI Standard)

Dogo Argentinozucht in Österreich: Der Dogo Argentino wird in Österreich im Rahmen des Österreichischen Dogo Argentino Klub im ÖKV gezüchtet. Voraussetzungen für die Zuchtzulassung lagen uns zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Gutachtens nicht vor.

7) American Staffordshire Terrier (GORDON, 1986): Der Ursprung des American Staffordshire Terrier geht auf die Zeit der Hundekämpfe in England zurück. Für die Kämpfe Hund gegen Hund bzw. Hund gegen Ratte wurden kleinere und wendigere Hunde als die ursprünglich für den Bullenkampf eingesetzten Mastiffs und Bull Dogs benötigt. Durch Ein­kreuzung verschiedener Terrier entstand u. a. der Staffordshire Bullterrier. 1935 wurde der erste Staffordshire Bullterrier Club gegründet, 1936 wurde der American Staffordshire Terrier vom Amerikanischen Kennel Club anerkannt.

American Staffordshire Terrierzucht heute: Vom American Staffordshire Terrier wird neben detaillierten Exterieurstandardbestimmungen folgendes verlangt (FCI Standard): Der American Staffordshire Terrier soll den Eindruck von großer Kraft in Bezug auf seine Größe machen. Ein harmonischer muskulöser Hund, lebhaft und interessiert an seiner Umgebung. In der Gesamterscheinung sollte