aus dem englischen rabies;
auch Hundswut, Lyssa, Rabies, la rage
Allgemeines:
Erst
seit 1977 werden alle Fälle von Tollwut in Europa
registriert. Das höchste Vorkommen war 1978 mit 24.377
Fällen. 1995 waren es nur noch 8.134 Fälle was auf
die
Impfaktionen im Wald zurückzuführen ist.
Als
normales Vorkommen bezeichnet man weniger als 5 Fälle / 100 km
/ Jahr.
Man
unterscheidet zwischen der silvatischen (Wildtiere) und der urbanen
Form (Mensch, Haustiere) der Tollwut.
Zwischen
1977 und 1991 wurden 45 Fälle von Tollwut beim Menschen
gemeldet, von denen sich allerdings 16 außerhalb von Europa
infiziert hatten.
Tollwut
im Saarland: Im Frühjahr 1965 wurde der erste Tollwutfall
bei einem Reh im nördlichen Saarland amtlich gemeldet.
Ursprünglich kam die Tollwut von der russisch-polnischen
Grenze
her zu uns und verbreitet sich mit ca. 50 km jährlich bis nach
Ostfrankreich wobei der Haushund mit ca. 75% den
Hauptberträger
darstellte. Seitdem ist das Auftreten der Tollwut im Saarland
endemisch. Dennoch ist im Saarland noch kein einziger Todesfall beim
Menschen durch Tollwut aufgetreten.
Vorkommen:
a) Geographie:
Die Tollwut gehört zu den am
längsten bekannten Zoonosen (von
Tier auf Mensch bertragbare Krankheit). Diese akute, nach klinischer
Manifestation fast immer tödlich verlaufende,
anzeigepflichtige
Infektionskrankheit ist nahezu weltweit verbreitet. Ausnahmen bilden
die Kontinente Australien sowie die Antarktis sowie einzelne
Länder mit Insellage wie Japan, Neuseeland, Island, Nordirland
und
Großbritannien. In Europa sind lediglich Finnland, Norwegen,
Schweden, Griechenland und Portugal tollwutfrei. Seit kurzem (1995)
zählen auch Dänemark und die Niederlande zu den
seuchenfreien
Ländern. [Aus England, das sich als tollwutfrei bezeichnet,
werden
neuerdings Berichte laut, dass auch hier vereinzelte
Tollwutfälle
aufgetreten seien, und zwar bei Fledermäusen]
b) Medizin:
Empfänglich
sind der Mensch und alle warmblütigen Tiere,
obwohl deren Disposition (Veranlagung) differiert. Auch Vögel
können Tollwut bekommen. Für das Rabiesvirus
unempfänglich sind alle Kaltblüter.
Seuchengipfel:
Während der Ranzzeit der Füchse im Frühjahr
und des
Raubmündigwerdens im Spätsommer bis Herbst. Grund
sind
gehäufte Revierkämpfe und Beißreien und
dadurch
innerartliche Übertragung.
Impfung
der Füchse:
Maschinell gefertigte Impfköder aus
PVC Durchdrückfolie mit
Aluminium Deckblattfolie luftdicht verschweißt.
Gefüllt sind
sie mit Fischmehl und Fetten in die der Impfstoff eingebettet ist. Bei
Durchbeißen gelangt ein feiner Sprühnebel in den
Fang des
Tieres; ein Tropfen des Impfstoffes ist für die Immunisierung
ausreichend. Nach 2 - 4 Wochen weisen diese Tiere dann eine
ausreichende Immunität gegenber dem Tollwutvirus auf. Frisst
unser
Hund diesen Impfköder dann kann weder ihm noch seinem Halter
Schaden entstehen da die Tollwutviren wie bei Impfstoffen für
Menschen nur in abgeschwächter Form vorliegen.
Geizhälse sollten jetzt nicht auf die Suche nach kostenlosen
Impfködern im Wald gehen; erstens kann gerade dieser
Köder
einen Fuchs und damit andere Tiere vor Tollwut schützen und
zweitens ist der Impfschutz bei einem Hund, der so einen Köder
frisst, im Gegensatz zur Impfung beim Tierarzt, nicht 100%ig
gewährleistet.
Übertragung:
Durch
Biss eines infizierten Tieres. Schon 3 - 4 Tage vor Ausbruch der
Krankheit ist der Speichel infektiös.
Bei
Hautverletzungen oder über die Augenschleimhäute nach
dem
Kontakt mit einem infizierten Tier (z.B. Streicheln) kann Infektion
erfolgen (Schmierinfektion). Das Virus kann jedoch intakte
Haut nicht durchdringen.
Die
Gefahr der Üertragung durch Gegenstände, die mit dem
infizierten
Speichel kontaminiert sind, ist nur sehr gering. In eingetrockneten
Sekreten oder Blut sind die Viren innerhalb weniger Stunden
inaktiviert. Es gibt keine Fälle, in denen eine
Übertragung durch
unbelebte Gegenstände nachgewiesen ist.
Infektion
durch Inhalation von virushaltigem Staub ist denkbar aber nicht
nachgewiesen (z.B. in Fledermaushöhlen, Labor).
Indirekte
Übertragung (z.B. Kontakt mit einem toten Tier) ist wegen der
langen Überlebensdauer des Virus (Viruspersistenz) bei
kühlem
Wetter ( unter 0°C bis zu 4 Monaten) möglich, spielen
aber nur eine
geringe Rolle.
Ohne
Impfung (vorher oder nachher) bricht die Krankheit bei ca. jeder
fünften infizierten Person aus.
Abhäig
ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung von Art, Umfang und
Lokalisation der Bissverletzung. Besonders gefählich
für eine Übertragung
sind Bisse am Kopf, Hals und Arm.
Erreger:
Tollwut Virus, gelangt von der Bisswunde über die Lymphbahnen
bis
in das Zentralnervensystem. Von dort aus kommt es zur Infektion der
Speicheldrüsen.
Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich und
wurden vor allem bei Hornhauttransplantationen nachgewiesen.
Inkubationszeit:
Ausbruch der Krankheit im Schnitt
zwischen 10 Tagen und 3 Monaten, selten bis zu 1 Jahr.
In der Literatur werden als
kürzeste Inkubationszeit 5 Tage, als längste 2 Jahre
angegeben.
Generell gilt: je nähr die
Verletzung am Zentralnervensystem liegt, je
tiefer die Wunde ist und je mehr Speichel eingetreten ist, desto
kürzer
ist die Inkubationszeit. (Ein Bissdurch Kleider vermindert die
Virusmenge.)
Nachweis:
Serologische
Test spielen eine untergeordnete Rolle, da sie erst spät im
Krankheitsverlauf positiv werden.
Hinweise
geben eine stark erhöhte Leukozytenzahl (weiße
Blutkörperchen)
von 20.000 - 30.000 / mm (normal sind unter 10.000); geringe
Eiweißvermehrung im Liquor, leichte Albuminausscheidung im
Urin (Albumin
ist ein Protein, das in der Leber synthetisiert wird und mehr als die
Hälte des Gesamteiweißes im Blutplasma ausmacht)
Bei
Obduktion lassen sich die Viren besonders in der Hirnregion nachweisen.
Klassischer
Dreiphasenverlauf:
Von
Beginn des ersten Stadiums an stirbt das Tier fast ausnahmslos nach 4 -
10 Tagen.
Prodromalstadium:
Beginn mit Rötung der Bissstelle, Übelkeit,
Erbrechen, Kopfschmerz,
leichtes Fieber ist möglich, Wesensveränderungen
(launenhaft,
überfreudlich, abweisend, unruhig) Dauer: 2 - 4 Tage.
Exzitationsstadium: Gekennzeichnet durch
Aggressivität und Drangwandern (Muskelzuckungen,
Krämpfe, rasende Wut); Dauer 1 - 4 Tage; Steigerung der
Launenhaftigkeit und / oder
Unruhe, Todesfurcht, Anorexie (Futterverweigern), Zerbeissen von
Gegenständen, Speichelfluss, langgezogenes Bellen, Versuche zu
entweichen,
unmotiviertes Bellen oder Beissen, Prutitus (juckende Stelle mit
zwanghaftem Drang zum Kratzen) an der Bissstelle und manchmal Schnappen
nach imaginären Fliegen. Raserei, stures Herumirren und
Angreifen von
anderen Hunden, eventuell Inkoordination und epileptische
Anfälle. Häufig
stirbt das Tier schon in diesem Stadium während eines
Krampfanfalls.
Paralyse oder
Depressionsstadium: Dauer bis zum Tod ca. 3 - 4 Tage; Unruhe geht
zunehmend in Erschöpfungs- und
Lähmungszustände ber (Kehlkopflähmung,
Zungenlähmung usw.); Unmglichkeit, Flüssigkeit zu
sich zu nehmen, Krämpfe in
der Schlundmuskulatur und Überempfindlichkeit gegen geringste
Luftbewegungen (Aerophobie). Nach 3 bis 5 Tagen stirbt der
Patient infolge Atem- oder Herzmuskellähmung. Bislang sind
weltweit nur 3
Fälle dokumentiert, die das letzte Stadium der Tollwut
überlebt haben.
Andere Formen der Tollwut:
Auch diese Formen sind fast
ausnahmslos tdlich.
Stille
Wut: Das Prodromalstadium geht ohne Exzitationsstadium ins
Paralysestadium über. Man findet die stille Wut meistens bei
Pferden und
Rindern. Diese Form ist zu einem häufigem, in gewissen
Gebieten sogar zum
dominierenden Tollwutverlauf geworden. Sichtbare Symptome sind wie beim
Paralysestadium.
Atypische Wut: Dieser
chronische, bis 3 Monate und länger dauernde, subklinische
Verlauf ist
möglicherweise Ausdruck einer suboptimalen
Antikörperbildung, welche die intrazellulären Viren
nicht zu
neutralisieren vermag.
Warnung: Die von uns
erkennbaren Krankheitssymptome können
unterschiedlich stark ausgeprägt sein oder sogar ganz fehlen.
Deshalb
sollten wir niemals ein fremdes Tier (z.B. eine zutrauliche Katze)
anfassen.
Therapie des Menschen
Vorbeugung:
Für
Tierärzte, Förster, Land- und Waldarbeiter empfiehlt
sich eine vorbeugende Impfung gegen Tollwut.
3 Injektionen am 0, 28 und 56 Tag. 1 Auffrischung nach 12
Monaten
weitere Auffrischung alle 2 - 5 Jahre
Behandlung bei Verdacht auf
Infektion:
Allgemeines:
Biss und / oder Kratzwunden sofort mit Seifenwasser oder besser mit
Desinfektionsmittel gründlich auswaschen.
Die
Wunden müssen mit Tollwutserum oder besser mit
Tollwutimmunglobulin umspritzt werden. Dann beginnt die eigentliche
postexpositionelle Impfung:
Die
Impfung muss innerhalb der ersten 24 Stunden nach Biss o.Ä.
erfolgen.
Bei ungeimpften Menschen:
Tollwutvakzine am 0, 3, 7, 14, 30 und 90. Tag
Bei bereits geimpften
Menschen,
die gebissen werden, werden die Impfungen auf den 0. und 3. Tag (die
Impfung liegt 1 Jahr zurück) oder auf den 0, 3 und 7. Tag
(Impfung
liegt 1 - 5 Jahre zurück) reduziert.