Mit jedem Floh ein Wurm dazu ?

Neben Zecken gehören Flöhe zu den größten Plagegeistern unserer Hunde (und uns). Flöhe sind flügellose Tiere. Sie haben lange Hinterbeine, denen sie ihr großes Sprungvermögen verdanken - ein Floh kann aus dem Stand 30 - 40 cm weit springen. So wechselt er auch seine "Futterquellen" indem er von einem Hund zum anderen springt. Die Flohweibchen tragen am Hinterleib ein Polster von Sinneszellen, mit denen sie jeden Windhauch registrieren und dadurch blitzschnell fliehen aber auch den Wirt wechseln können.

Solange ein Hund in der Nähe ist, bleibt der Floh lieber auf dem Hund statt auf einen Menschen zu wechseln.

Erstaunlich ist, daß die wenigsten Flöhe, die wir am Hund finden, auch tatsächlich Hundeflöhe sind. Nach Untersuchungen handelt es sich bei 60% um Katzenflöhe, 40% Vogelflöhe und nur ganz vereinzelt ist ein "echter" Hundefloh am Hund zu finden. Menschenflöhe sind inzwischen in Deutschland fast ausgestorben. Für uns und unseren Hund spielt diese Tatsache jedoch keine Rolle - nur ein Fachmann kann die verschiedenen Floharten an entsprechenden Häkchen in der Nackenregion unterscheiden; in der Stichwirkung sind sie aber alle gleich.

Dadurch, daß der Floh nur ganz feine Mundwerkzeuge hat, würde das Blut beim Einstich sehr schnell gerinnen und die Mundwerkzeuge verstopfen. Deshalb injiziert der Floh Speichel in die Wunde, die einen Blutverflüssiger enthält. Dieser Speichel führt fast immer zu allergischen Reaktionen in Form von "Quaddelbildung", die man beim Hund infolge seines Fells allerdings kaum sieht - lediglich durch ein verstärktes Kratzen erkennen wir den Juckreiz des Hundes.

Normalerweise werden in Deutschland keine Krankheiten durch den Speichel der Flöhe auf Menschen übertragen. Anders sieht es vor allem in tropischen Ländern aus - hier wird z.B. die Pest durch Flöhe übertragen.

Nach der Befruchtung erfolgt die Eiablage - aus den Eiern schlüpfen kleine wurmähnliche Stadien, die Larven. Diese Larven ernähren sich nicht vom Blutsaugen sondern kriechen z.B. im Hundekorb, hinter Fußleisten, im Bett, auf der Couch usw. umher und ernähren sich von krümeligen Essensresten aber auch von bluthaltigen Ausscheidungen der erwachsenen Flöhe.

Die Lebensdauer der Larven beträgt mehrere Monate, wobei sie sich mehrfach häuten. Diese Larvenstadien werden von den normalen Insektiziden nicht abgetötet. Deshalb tritt ein erneuter Flohbefall je nach Temperatur alle ca. 3 - 5 Wochen erneut auf.

Die Larven fressen sich voll und verpuppen sich dann. In dieser Puppenform können sie sogar überwintern (häufig in Vogelnestern) und in Ferienhäusern können sie auf das Wiederkommen der nächsten Gäste im Frühjahr warten. Wenn die Puppen in der neu bezogenen Wohnung Erschütterungen bemerken, führt dies zu einem explosionsartigen Massenschlüpfen.

Die modernen Flohbekämpfungsmittel wirken durch einen Häutungshemmer: die Schale der Larven besteht aus Chitin. Diese Chitinschale kann nicht mitwachsen weshalb die Larve sich in regelmäßigen Abständen häuten muß. Durch die Häutungshemmer werden die Larven ( die mehr als 95% der gesamten Flohpopulation ausmachen) auf ihrem jeweiligen Entwicklungsstand "eingefroren". In dieser Zeit muß man selbstverständlich auch die erwachsenen Flöhe bekämpfen.

Flöhe kann sich unser Hund praktisch überall holen. Die meisten Igel sind ideale Wirte für Flöhe - der Saarländer sagt "die sind strack voll damit". Aber nicht nur dann, wenn unser Hund einen Igel aufstöbert springen Flöhe auf ihn über; wenn ein Igel stirbt warten die Flöhe irgendwo im Gras auf einen neuen Wirt und sind sehr erfreut wenn gerade ein Hund vorbeikommt. Außerdem holt sich so mancher Hund dort einen Floh, wo man gar nicht damit rechnet: beim Tierarzt. Denn sehr viele Menschen gehen mit ihrem flohgepeinigten Hund zum Tierarzt "weil der Hund sich so viel kratzt".

Flöhe übertragen Bandwürmer auf unser Hunde. Nicht umsonst sagt man: "pro Floh ein Wurm". Speziell ist hierbei der sogenannte Gurkenkernbandwurm zu nennen.

Dieser bis zu 60 cm lange Bandwurm scheidet Endstadien (Proglottiden) ab. In diesen Proglottiden liegen jeweils ein vollständiger, zwitteriger Geschlechtsapparat vor, was bedeutet, daß keine Partnersuche zur Fortpflanzung nötig ist. Je näher eine Proglottide dem Ende des Wurmes kommt, desto mehr Eier sind in ihr gesammelt und desto weiter hat sich der männliche Geschlechtsapparat zurückgebildet. In der letzten Proglottide befinden, die dann abgestoßen und ausgeschieden wird, befinden sich 50 - 100 Eier und in jedem dieser Eier sitzt schon eine kleine Larve.

Die Proglottiden werden mit dem Hundekot ausgeschieden und gelangen so auch ins Fell unserer Hunde. (Bakterientests zeigen, daß sich immer Hundekotpartikel im Fell eines jeden Hundes befinden.) Auch auf Gräsern lassen sich Proglottiden sehr häufig nachweisen und besonders "Hundewiesen" sind teilweise sehr stark durchseucht.

Diese Proglottiden beginnen im Freien zu schrumpfen - sie sehen dann wie ein kleiner Gurkenkern (daher der Name) bzw. wie ein Reiskorn aus. Bei dem Schrumpfungsprozeß werden die Eier freigesetzt und z.B. von Flohlarven gefressen. Im Innern der Flohlarven entstehen dann die jungen Bandwürmer. Reifen die Flohlarven zu ausgewachsenen Flöhen heran, sind die Bandwurmlarven immer noch in ihnen enthalten. Knackt und/oder frißt der Hund diese Flöhe (oder auch nur Teile von ihnen) dann entsteht aus jeder der Bandwurmlarven ein großer Wurm im Darm des Hundes.

Von diesem Bandwurm können ab und zu auch (meistens kleinere) Kinder befallen werden, weil sie häufig mit dem Mund ans Fell des Hundes gehen. Wenn der Hund vorher einen Floh zerknackt hatte, hängen oft noch Teile davon im Fell des Hundes. Allerdings haben mir verschiedene Ärzte bestätigt, daß die Übertragungsart über das Hundefell schon recht unwahrscheinlich ist. Auch wenn Kinder Gras bzw. verunreinigten Sand in den Mund nehmen können sie sich mit den Bandwurmeiern infizieren.

Der Bandwurm ist sowohl beim Menschen als auch beim Hund durch spezielle Wurmkuren leicht zu bekämpfen und richtet in der Regel keine bleibenden Schäden an. Dennoch sollte man seinen Hund regelmäßig entwurmen um eine Infektion von Menschen und anderen Tieren zu verhindern.

(Hintergrundinformation: Bandwürmer gehören zu den Helminthen (Helmins = der Wurm) worunter man fast ausschließlich parasitisch lebende Würmer zusammenfaßt. Weiter eingeordnet gehören sie zum Stamm der Plathelminthes und dann zur Klasse der Cestoda = Bandwurm)