Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multiocularis)
Der Fuchsbandwurm stammt ursprünglich aus Sibirien und hat sich (durch infizierte Bisamratten) über Österreich, Schweiz und Süddeutschland bis nach Südfrankreich ausgebreitet. Im Zeitraum von 1988 - 1994 wurde für das Saarland eine Befallsrate von 1,4% der Füchse nachgewiesen. MEINE ermittelte 1995 eine Befallsrate von 31,3% der saarländischen Füchse, was einer Publikation des Robert Koch - Instituts zum Vorkommen des Fuchsbandwurms im Saarland für den Zeitraum von 1994 - 1995 entspricht. Gründe für die starke Zunahme des Fuchsbandwurms liegen höchstwahrscheinlich in den Tollwut - Impfaktionen begründet, die eine starke Zunahme des Fuchsbestandes nach sich zog.
Der eigentliche Wirt, man spricht vom "Endwirt" des Fuchsbandwurms, ist - wie der Name schon sagt - der Fuchs, der sich über befallene Mäuse infiziert. Im Dünndarm des Fuchses erfolgt die Entwicklung des Parasiten zu geschlechtsreifen Bandwürmern in ca. 32 - 35 Tagen, wobei ihre Lebensdauer im Dünndarm ca. 5 - 6 Monate beträgt.
Der Fuchsbandwurm bohrt sich mit seinem vorderen Teil in die Darmzotten seines Wirtes und verankert sich dort. Im Abstand von 14 Tagen werden dann vom hinteren Ende des Bandwurms reife Glieder abgestoßen, die je 200 - 300 Eier enthalten und mit der Losung des Fuchses ausgeschieden werden. In 1 Gramm Fuchskot wurden bei Untersuchungen mehr als 100 000 Eier nachgewiesen.
Der Kot wird sehr häufig von Mäusen gefressen. Im Darm der Mäuse, die als sogenannte "Zwischenwirte" fungieren, werden aus den Wurmeiern Larven freigesetzt, die die Darmwand durchbohren und über den Blutkreislauf andere Organe besiedeln. Fast immer ist dabei die Leber betroffen. Bereits 5 Tage nach der Eiaufnahme lassen sich die ersten Zellveränderungen in der Leber nachweisen. Nach etwa 35 Tagen liegen infektionstüchtige Kopfanlagen der nächsten Bandwurmgeneration im Lebergewebe des Zwischenwirtes vor. Es entstehen schlauchförmige Zysten die ähnlich wie ein Tumor immer weiter wachsen und die Leber anschwellen lassen.
Der Fuchs ernährt sich zum größten Teil von Mäusen. Im Darm des Fuchses löst sich die Zyste durch die Magensäfte auf, Larven werden freigesetzt, die sich zu geschlechtsreifen Bandwürmern entwickeln - der Kreislauf schließt sich.
Der Mensch kann sich auf verschiedenen Wegen infizieren:
Ob man sich infiziert hat bemerkt man erst nach 5 - 15 Jahren. So lange kann es dauern, bis die Zysten so groß sind, daß die Leber anschwillt, nicht mehr richtig arbeitet und die Infektion überhaupt entdeckt wird. Versucht man die schlauchförmigen Zysten operativ zu entfernen, wird das Schlauchsystem - da es in einzelnen Zellen endet - fast immer verletzt. Man setzt dann einzelne Zellen frei, die sich durch das Lymphsystem oder auf dem Blutweg verteilen. Die Zellen bilden dann an anderen Stellen wiederum Zysten, vergleichbar mit der Metastasenbildung beim Krebs. Meistens bilden sich die neuen Zysten in der Lunge und im Gehirn. Die Überlebenschancen sind dann gleich Null; die verbleibende Lebensdauer liegt bei maximal einem Jahr.
Die Zysten wachsen bei verschiedenen Menschen unterschiedlich schnell. Waren noch keine Metastasen in Lunge oder Gehirn vorhanden dann lag die Überlebensdauer nach der Diagnose "Fuchsbandwurm" bei zwischen 2 Wochen und 18 Jahren. Während früher die Infektion mit dem Fuchsbandwurm 100% tödlich war gibt es mittlerweile ein Medikament, das zwar die verschiedenen Stadien des Fuchsbandwurms nicht abtötet aber zumindest auf dem jeweiligen Entwicklungsstadium konserviert, so daß ein Weiterwachsen verhindert wird. Man hat aber nur dann eine Chance, wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird.
Eine kleine Beruhigung zum Schluß: Der Mensch ist kein besonders geeigneter Wirt für den Fuchsbandwurm, d.h. daß viele Wurmeier beim Menschen nicht infektiös wirken. Da wir aber nicht wissen, ob wir zu den Glücklichen gehören, bei denen die Bandwurmeier absterben, gilt: Regelmäßiges Entwurmen unseres Hundes kann nicht nur für den Hund sondern auch für den Menschen lebensrettend sein. Dazu genügt die, in Apotheken erhältliche Wurmpaste nicht; ein spezielles Bandwurmpräparat ist erforderlich, um sicheren Schutz zu gewährleisten.
Zusatzinformationen:
Bandwurmeier bleiben im Freien im Sommer ca. 3 Monate, im Winter ca. 8 Monate, unter idealen Bedingungen sogar bis zu 2,5 Jahre lang infektiös, d.h. die Infektionsgefahr besteht auch im Winter wenn z.B. unser Hund (oder auch wir) Schnee essen.
Manche Hunde haben eine angeborene Widerstandskraft gegen den Befall durch den Fuchsbandwurm. Allerdings liegen keine genauen Angaben vor ob dies rassespezifisch ist oder nur vom einzelnen Hund abhängt. Bekannt ist auch, daß Katzen, obwohl sie mit Sicherheit mehr Mäuse fressen als der Hund dennoch wesentlich seltener befallen werden.
Generell ist jedes Säugetier sowohl als Endwirt (Ausscheidung von Eiern) als auch als Zwischenwirt (mit Zystenbildung) geeignet. Der Fuchsbandwurm hat sich allerdings regelrecht spezialisiert und benutzt meistens bestimmte Arten nur als Zwischenwirt (z.B. Mäuse, Menschen) und andere Arten als Endwirt (Fuchs, Hunde).
Die gleichen Entwicklungsstadien wie der Fuchsbandwurm durchläuft übrigens auch der "echte" Hundebandwurm (Echinococcus grandulosus), der in Spanien und einigen anderen südlichen Ländern vorkommt. Deshalb: Vorsicht im Urlaub mit fremden Hunden.
Angaben aus: