Eine Hundegeschichte Teil 2

© Beta – Dog, Birgit Lehnen 1999

Heute muß ich Euch wieder was von meinem Liebchen und unserer Hundeschule erzählen. Birgit hat mich nämlich heute so richtig verärgert. Angefangen hat alles ganz harmlos. Birgit erzählte uns in ihrem Theorieteil irgendwas davon, daß sich die Stimmung der Besitzer auf den Hund überträgt und sich auch auf die Arbeit mit dem Hund auswirkt. So ganz habe ich das nicht mitbekommen, weil ich mein Liebchen immer an einem Baum festbinden muß wenn Birgit erzählt. Und dann sieht mein Liebchen so traurig aus, daß ich immer zu ihr hinschauen muß und gar nicht zuhören kann. Ist ja auch nicht so schlimm – wir bekommen den Theorieteil ja immer schriftlich und wenn ich mal Lust dazu habe, werde ich die gesammelten Werke der letzten Monate durchlesen.
Aber zurück zum Thema: Birgit hat mich verärgert.... Das kam so: Ich hatte heute einen schweren Tag. Ich mußte einkaufen gehen und hatte auch so viel zu erledigen – also ich war ganz fertig. Außerdem hatte ich dann noch Ärger mit dem Nachbarn der einen entsetzlichen Köter hat und die Waschmaschine ist auch kaputt...Jedenfalls hatte ich es so richtig an den Nerven. Und im Hundetraining lief dann auch von Anfang an alles schief: Beim Einlaufen verschwand ich direkt hinter einem großen Busch und wollte mich gerade ein bißchen ausruhen da rief Birgit: „Frau Liebchen – ich sehe alles! Einlaufen bitte – das ist doch so wichtig um Kontakt zum Hund zu bekommen.“ So ein Quatsch – mein Liebchen und ich hatten doch Kontakt – schließlich war sie ja an der Leine.
Dann kam die erste Übung – ich hasse sie: alle Leute haben ihrem Hund an der Seite im „platz“ und ich muß mit Liebchen im „fuß“ vorbeigehen. Jeder starrt uns zwei doch an und wartet darauf, daß wir einen Fehler machen. Liebchen haßt diese Übung auch und damit sie schnell damit fertig wird, geht sie zügig an den Hunden vorbei. Da sagt doch diese Birgit: „nicht ziehen lassen!“. Also die versteht uns beide wirklich nicht. Aber da ich ja ein friedlicher Mensch bin und mich wirklich nicht streiten will, greife ich die Leine ganz kurz und sorge so dafür, daß Liebchen neben mit geht. Aber auch jetzt hat Birgit was zu meckern: „den Hund nicht aufhängen.“ So ein Blödsinn – wenn ich die Leine locker lasse dann rennt Liebchen doch wieder vor.
Zu allem Elend sollte Liebchen dann am Ende der Reihe ein „platz“ machen. Sie legt sich halt nicht gerne auf schmutzigen Waldboden. Aber was soll’s – bevor alle mich komisch anschauen sage ich halt: „Liebchen, mach ein „platz“. Und nun übertrieb Birgit tatsächlich: „Den Hund nicht bitten! Achte auf Deinen Tonfall.“.
Wir sollten dann aus lauter Schikane noch so dumme Dinge wie abwechselnd „sitz“, „platz“ und „fuß“ machen. Der Clou kam dann als Birgit mir mein Liebchen wegnahm und die Übung vormachte. Klar, daß Liebchen bei Birgit gehorcht – es ist ja schließlich ihr Beruf. Aber als sie dann behauptete, daß Liebchen bei mir nicht hören würde weil ich keine Konsequenz zeigen würde da wurde ich dann doch echt sauer. So ein unverschämter Mensch – ich und keine Konsequenz. Ich wollte ihr zeigen was mein Liebchen und ich alles können. Ich stellte mich also in Positur, griff fest in die Leine, fixierte mein Liebchen auf der Stelle und begann, energische Handzeichen für „platz“ zu geben. Dazu rief ich mit fester Stimme „platz“, „platz“!, „platz“!!!
Ihr wißt ja wie sensibel mein Liebchen ist - ich hätte nicht auf Birgit hören sollen. Ich weiß doch, daß sie es nicht leiden kann, wenn man so hart mit ihr redet. Sie war dann auch direkt ganz nervös und hüpfte um mich herum. Also ich weiß gar nicht was mit ihr los war – sie war schon den ganzen Tag über so hippelig, das arme Schätzchen. Sie hat mich so richtig angesteckt mit ihrer Zappelei.
Ach ja – jetzt weiß ich auch wieder was Birgit da vorhin in ihrem Theorieteil erzählt hat: ein nervöser Hund macht auch den Besitzer nervös. Diesen Theorieteil muß ich schon mal nicht mehr nachlesen.