Eine Hundegeschichte Teil 1

© Beta – Dog, Birgit Lehnen 1999

Ich habe einen Hund. Er heißt Liebchen. Liebchen ist ein toller Hund der mich aufs Wort versteht. Fast schon wie ein Mensch. In der Wohnung gehorcht er super und wenn ich in der Küche bin genügt schon ein Sichtzeichen und der Hund setzt oder legt sich. Das habe ich in der Hundeschule gelernt. Und genau hier liegt mein Problem: In der Hundeschule hört mein Liebchen überhaupt nicht. Die Ausbilderin Birgit und die anderen Mitglieder denken mit Sicherheit, daß Liebchen immer so ist. Dabei ist es ja auch gar kein Wunder bei diesen vielen Hunden rund herum. Daß Liebchen da viel lieber spielen will ist ja ganz klar. Würde mir auch nicht anders gehen.
Letzte Woche war es wieder ganz schlimm. Alle Hunde sollten ein „sitz“ machen. Liebchen kann das ganz toll - zu Hause. Aber jetzt wollte sie nicht obwohl ich sie wirklich freundlich darum gebeten habe. Manchmal kann sie ja so stur sein....Ich versuchte es nochmals „Liebchen, hast du nicht gehört, daß du dich hinsetzten sollst?“ aber sie schaute mich nicht einmal an. Da hatte ich eine Idee. Wir hatten nämlich ein Kommando gelernt, um die Aufmerksamkeit unseres Hundes zu erlangen. Das probierte ich jetzt aus: „Liebchen schau“, „schau“, „schau Liebchen“, „schau“ aber so oft ich auch „schau“ sagte - sie setzte sich nicht.
So ein Mist; die anderen sitzen schon längst und ich bin wieder mal die letzte. Oder doch nicht? Mal gucken!
Rechts neben mir war Herr V. mit seinem Hund. Der saß auch noch nicht. Da war ich Gott sei Dank doch nicht die letzte. Herr V ruckte gerade mit der Leine hin und her und redete ziemlich laut auf seinen Hund ein. Der setzte sich zwar trotzdem nicht aber vielleicht klappte es ja auf diese Art bei meinem Liebchen. Also ruckte ich an der Leine und ruckte und ruckte aber Liebchen hielt das für ein ganz tolles Spiel und hüpfte um mich herum. So konnte es ja gar nicht gehen. Kein Wunder, daß Herr V. keinen Erfolg hatte – schließlich hatte Birgit immer wieder gesagt „keinen Leinenruck“. Weshalb hatte ich so einen Quatsch überhaupt probiert? Keine Ahnung!
Da sah ich Frau W. Sie hatte es geschafft. Ihr Bello hatte sich zwar hingelegt statt sich zu setzen, aber immerhin! Mir fiel direkt auf, daß sie auch sofort ganz toll lobte ...weil Lob ja soooo wichtig ist. Ihr Hund freute sich auch wahnsinnig darüber und stand wieder auf, um sich noch ein Leckerchen zu holen. Toll was die für einen Kontakt zu ihrem Hund hat....
Mensch, daß ich daran nicht gedacht hatte: Futtermotivation. Über Motivation hatten wir nämlich schon viel gehört. Aber Liebchen verstand das irgendwie falsch. Nachdem sie schon zehn Leckerchen gefressen hatte stand sie immer noch da.
Ein Blick zu Frau X. – klappt es hier? ja- der Hund sitzt. Ist ja auch kein Wunder bei dem Tonfall. Die sagt einfach „sitz“, steht kerzengerade da und hebt den Finger in die Luft. Der arme Kerl muß sich ja setzen bei so viel Härte. Für mein Liebchen wäre das aber nichts – so zart wie sie ist...Das hat mir auch schon die Züchterin gesagt: „Liebchen ist ein Sensibelchen“. Und außerdem werden Hunde dieser Rasse erst viel später erwachsen. Also da soll die Frau X. ihren Hund doch so hart behandeln wie sie will – für mein Liebchen wäre das nichts. Mal schauen was Herr Y macht. Dessen Hund sitzt auch. Also dieser Herr Y ist ein sehr unsympathischer Mensch. Der schaut nicht nach rechts und nicht nach links sondern nur auf seinen Hund. Also das ist nicht meine Art, so ungesellig zu sein. Und wenn sein Hund sich nur mal bewegen will stört ihn Herr Y. sofort noch bevor der Hund überhaupt aufgestanden ist. Nein – so was Gemeines – es kann doch sein, daß da ein Stein liegt der dem armen Hund am Popo weh tut. Aber das ist diesem widerlichen Kerl egal. Schämen sollte er sich was, so hart zu einem Hund zu sein, der so toll hört.
Zu allem Elend kam dann noch Birgit zu mir. „Klappt es“ wollte sie wissen. Da konnte ich mich ja nicht blamieren und „nein“ sagen. Was denkt die denn sonst von mir und meinem Liebchen. Also antwortete ich: „Wir haben schon ein paar „sitz“ gemacht, jetzt machen wir gerade eine Pause.“ Puh- noch mal Glück gehabt – sie ging weiter zu Frau Z.. Mal aufpassen was Birgit da wohl sagt. Damit sie nicht merkte, daß ich momentan nicht mit Liebchen arbeitete, sagte ich immer wenn Birgit mir den Rücken zukehrt „sitz“ - „feines sitz“, „sitz“ - „feines sitz“ zu Liebchen. Das hat noch immer funktioniert; wir sind noch nie erwischt worden.
Aha!!! Frau Z an meiner linken Seite bekam endlich einen Rüffel. Das wurde auch Zeit. Anstatt ihrem Köter der immer mein Liebchen belästigt einmal Anstand beizubringen hat sie nichts anderes zu tun als uns zu beobachten. Was Birgit zu ihr sagte? Frau Z. sollte mehr auf ihre Körperhaltung und ihre Stimmlage achten. Birgit hat vollkommen Recht. Das ist mir nämlich auch schon aufgefallen. Also wenn ich einen so sturen Hund wie Frau Z. hätte, der einfach ignoriert was ich sage, dann würde ich mich auch anders verhalten. Gott sei Dank ist mein Liebchen nicht so.....

Handlungen und Personen und Hunde in dieser Geschichte sind nicht frei erfunden. Ähnlichkeit mit lebenden Personen und Hunden sind nicht rein zufällig.